Klimaneutralität: Autobauer fordern dichtes EU-Ladesäulennetz

16 große Autohersteller bezeichnen ein dichtes Ladesäulennetz und Tankstellen für alternative Kraftstoffe als Basis für Green Deal und Netto-Null-Emissionen.

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(Bild: Smile Fight/Shutterstock.com)

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Der europäische Verband der Automobilhersteller Acea hat einen 10-Punkte-Plan präsentiert, womit der Verkehrs- und Transportsektor im Einklang mit dem "Green Deal" der EU-Kommission bis 2050 klimaneutral werden soll. Die gute Nachricht sei, dass das ambitionierte Ziel der Netto-Null-Emissionen mit einem "ganzheitlichen Ansatz" erreicht werden könne, erklärte der Präsident des Zusammenschlusses von 16 großen Produzenten, Michael Manley, am Mittwoch in Brüssel. Dafür müsse sich in den nächsten Jahrzehnten aber "viel wandeln".

Als die wichtigste Voraussetzung dafür, dass der Sektor mit allen ausgleichenden Maßnahmen zusammengerechnet faktisch keine Treibhausgase mehr verbreitet, bezeichnet Acea ein "dichtes EU-weites Netz an Ladesäulen und Tankstellen" für alternative Kraftstoffe wie Wasserstoff. Dieses müsse für Personenwagen genauso zugänglich sein wie für Lkws oder Busse. Die EU-Gremien sollten dabei klare Vorgaben machen für die Zahl der Stationen auf nationaler Ebene. Im Bereich Elektromobilität müssten auch intelligent gesteuerte Schnellladepunkte berücksichtigt werden.

Die EU-Kommission plant, über den Green Deal die Zahl der Ladestationen bis 2025 um eine Million zu erhöhen. Damit soll den Bürgern die Reichweitenangst genommen werden. Hierzulande gab es mit Stand Ende 2019 rund 24.000 öffentliche Ladepunkte. Die große Koalition hatte sich ursprünglich vorgenommen, bis 2020 "mindestens 100.000" Anschlüsse zum Stromtanken zusätzlich verfügbar zu machen. Mit einem "Masterplan" im Rahmen des Klimapakets will die Regierung dafür sorgen, dass hierzulande bis 2030 eine Millionen Ladepunkte zur Verfügung stehen.

Dem europäischen Verband gehören Unternehmen wie BMW, Daimler, Ferrari, Renault, Volkswagen und Volvo an. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh rief gerade nach einer Pflicht zum Aufbau einer Infrastruktur für Ladestellen mit einer nationalen Quote. Sonst kauften die Kunden nicht genügend E-Autos und die Klimaziele könnten nicht verwirklicht werden.

Acea spricht sich allerdings für "Technologieneutralität" aus, was Experten im Rahmen der Verkehrswende kritisch sehen. Die Politik dürfe keine spezifischen alternativen Antriebsformen wie den Elektromotor vorschreiben oder Verbote aussprechen für Fahrzeuge, die helfen könnten, CO2 einzusparen, betonte Manley. Laut dem Geschäftsführer von Fiat Chrysler in Europa müssten die Technologien gefördert werden, die die "besten Ergebnisse" erzielten.

Der Übergang zur Klimaneutralität müsse politisch gut orchestriert werden, heißt es in dem Papier weiter. Soziale und wirtschaftliche Faktoren seien dabei zu beachten: "Mobilität muss erschwinglich bleiben für alle europäischen Bürger unabhängig davon, wo sie leben oder welche finanziellen Mittel sie zur Verfügung haben." Die Vorgaben zur CO2-Reduktion treffen die Autobauer in einem schwierigen Marktumfeld: Laut Acea-Schätzungen sinkt die Zahl der Verkäufe von Personenwagen 2020 um zwei Prozent nach sechs hintereinander liegenden Wachstumsjahren. (tiw)