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Klimawandel: Online-Pornos produzieren so viel CO2 wie Rumänien

Video-Streaming ist für den mit Abstand größten Teil des Online-Traffics verantwortlich, sagen Forscher. Und es wird immer mehr.

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Zu viel YouPorn belastet das Klima, meint der französische Think Tank "The Shift Project".

(Bild: Shutterstock/Dmitri Ma)

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Video-Streaming ist für einen Prozent des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich und allein durch Online-Pornographie wird weltweit so viel Kohlenstoffdioxid freigesetzt wie in Rumänien. Das jedenfalls hat der Think Tank The Shift Project errechnet, der schon im März Zahlen zu den Folgen der Digitalisierung für den Klimawandel vorgelegt hat. Für ihren neuen Bericht "Climate crisis: The unsustainable use of online video" hat sich die französische Organisation das Videostreaming vorgenommen, das für einen Großteil der weltweiten Datenströme verantwortlich ist, und fordert "digitale Enthaltsamkeit".

In ihre Berechnungen zur Gesamtklimabelastung durch Informationstechnologie bezog das Shift Project Endgeräte und die angeschlossenen Infrastrukturen ein. Dem Think Tank zufolge ist Digitaltechnik mittlerweile für 3,7 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich, während auf den zivilen Luftverkehr 2018 lediglich 2 Prozent der Emissionen entfielen. Je nach Szenario könnte der Digital-Anteil an den weltweiten Emissionen bis 2025 auf mehr als 8 Prozent steigen, was höher wäre als der aktuelle Anteil von Autos und Motorrädern. Schon im März hatte das Team erklärt, wichtigster Treiber des steigenden digitalen Energiebedarfs sei die zunehmende Neigung zum Kauf von Geräten mit kurzer Lebensdauer und "die Explosion von Video-Anwendungen".

Den Ergebnissen von Shift Org zufolge entfallen 80 Prozent des weltweiten Datenverkehrs auf Videos und 60 Prozent allein auf On-Demand-Streaming, das die Autoren in vier Bereiche aufteilen: Video-on-Demand wie Netflix und Amazon Prime (34 Prozent), Online-Pornographie wie Pornhub und Youporn (27 Prozent), Videoplattformen wie Youtube (21 Prozent) und andere Dienste wie Facebook oder TikTok (18 Prozent). Allein Netflix & Co. sind demnach für ungefähr so viel CO2-Ausstoß verantwortlich wie Belgien, Online-Pornos liegen gleichauf mit Ländern wie Rumänien. Insgesamt liegt Online-Streaming auf dem Niveau von Spanien.

Weil Online-Traffic für mehr als die Hälfte des CO2-Fußabdrucks der digitalen Technik verantwortlich ist und Videos für 80 Prozent davon, müsse man hier ansetzen, um den Ressourcenverbrauch einzuschränken. Weil Ressourcen endlich seien, werden Einschränkungen irgendwann zwangsläufig, noch hätten wir aber die Wahl, meint The Shift Project. Automatisch startende Videos ("autoplay") und eingebettete Videos seien mit diesem Ziel nicht vereinbar. Vorstellbar sei etwa die Auslieferung von Videos in geringerer Auflösung, unnötig wiederum seien Auflösungen, die das Auge gar nicht mehr wahrnehmen kann. Nutzer könnten außerdem seltener neue Geräte kaufen.

Um ihre Argumente anschaulich zu machen, haben die Autoren ausgerechnet ein Youtube-Video erstellt – in Full-HD. Außerdem werben sie dafür, Videos vor dem Hochladen ins Netz mit dem Transcoder Handbrake angemessen zu verkleinern, um die fürs Verbreiten nötigen Bandbreite zu minimieren. Schließlich haben sie beim Shift Project mit dem Carbonalyser ein Firefox-Addon erstellt, das den CO2-Fußbdruck beim Surfen im Internet visualisiert. The Shift Project hat sich die "Decarbonisierung Europas" auf die Fahnen geschrieben. Zu den Unterstützern gehören unter anderem der staatliche französische Elektrizitätsversorger, das Bahnunternehmen SNCF und Unternehmen der Baubranche. (mho)