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Nerv-Videos: Der verrückte Frosch lebt noch immer

Schicke das Kennwort 'Frosch' an fünf Mal die Fünf!!! Jamba und Co. haben noch immer viele Kunden – und nerven wie früher, nur anders.

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(Bild: Screenshot: Jamba.de)

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"Die Österreicher geben immer noch hunderttausende Euro für Klingeltöne aus" – mit dieser Überschrift ging die Tageszeitung Der Standard diese Woche online. Darunter das Bild eines fast vergessenen Zeitgenossen: der verrückte Frosch. Ohne Hose, dafür mit Helm und seinem unsichtbaren Motorrad, hat er Generationen in Angst und Schrecken versetzt. Da blieb nur der reflexhafte Griff zur Fernbedienung: Bloß schnell umschalten.

WTF

Das Internet ist voll von heißen IT-News und abgestandenem Pr0n. Dazwischen finden sich auch immer wieder Perlen, die zu schade sind für /dev/null.

Die TV-Werbung in den 2000ern war weniger schön – richtig gruselig wurde es, wenn es um Klingeltöne ging. Das Geschäft muss sich jedoch gelohnt haben. Obwohl immer die Frage im Raum stand, wer die Abos für schrille, quietschige Sprachmeldungen bei Jamba und Co abschloss – zugegeben hat das doch niemand, oder?

Böse Zungen könnten auf Grund des Standard-Artikels behaupten: Waren wohl die Österreicher. Und sind es noch immer. Schnitzel können sie, Mehlspeisen auch, ansonsten sind sie halt 20 Jahre zurück. Polyphone Klingeltöne waren doch aus einer Zeit vor unserem Smartphone. Denn inzwischen lässt sich nahezu jede Aufnahme ganz leicht umwandeln. Nein, der Boom ist zwar vorbei, laut Statista hat es 2017 aber auch in Deutschland noch etwa 700.000 Klingelton-Käufe gegeben. Zehn Jahre zuvor waren es satte 9,5 Millionen.

Jamba, der Klingelton – und Nerv-Primus, der immer wieder Ärger mit Verbraucherschützern hatte, hat sein Portfolio erweitert und macht jetzt auch in Spiele. Und in lustige kleine Videoschnipsel. Sollten Sie eine WhatsApp-Gruppe haben, mit der Familie, Arbeitskollegen, dem Kegelclub, dann ist zu vermuten, dass das Unternehmen (gehört nach einem Abstecher zu Rupert Murdoch jetzt übrigens Freenet) ihnen noch immer auf den Geist geht.

Es sei denn, sie finden das Schnuffel-Häschen totaaaal süß. Ja genau, Schnuffel und Baby Vuvu stammen von Jamba. Der Crazy Frog ist nicht mehr so in (hat aber wie Schnuffel einen eigenen Wikipedia-Artikel), stattdessen ist eine nervtötende, natürlich ebenfalls verrückte, Kuh angesagt. Da hüpfen und quieken und muhen sie also noch immer, jetzt verpackt in Feiertags-Grüße und Guten-Start-in-den-Tag-Wünsche. Lustig? Selten. Aus dem Fernseher erst ins Handy und dann aufs Smartphone, fast völlig unbemerkt.

Diese zweifelhaft sich verbreitenden Mini-Videos dürfen übrigens nicht weitergeleitet werden. Das sage nicht ich, weil ich hoffe, die Seuche damit beenden zu können. Das sagt der Vertrag, den Nutzer mit Jamba abschließen: "Alle Produkte des Anbieters unterliegen dem Urheberrechtsschutz und dem Markenschutzrecht. Der Nutzer ist berechtigt, die Produkte auf seinem Mobiltelefon zu speichern. Eine anderweitige Speicherung, insbesondere die Übertragung auf ein anderes Mobiltelefon, ist unzulässig."

Während die Nutzungsbedingungen auf der Webseite präsent sind, scheint es unmöglich zu sein, einen Preis zu finden, bevor man sich registriert. Um eine Übersicht zu Paketen und Abos zu bekommen, muss man erstmal die eigene Telefonnummer hinterlassen. 4,99 Euro im Monat, schreibt der Standard. Ich habe meine Nummer bei mir behalten.

Immerhin, es schrillt einem nicht mehr aus dem Fernseher entgegen: Schicke das Kennwort 'Frosch' an fünf Mal die Fünf. Aber wer von euch…? Ach wurscht, hat damals auch schon niemand zugegeben. (emw)