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Knapp eine Million Dollar für Wikipedia & Co

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Der jüngste Spendenaufruf der Wikimedia Foundation hat bisher über 950.000 US-Dollar (732.000 Euro) in die Kassen der US-Stiftung gespült. Damit ist der Spendenaufruf der bisher erfolgreichste in der Geschichte der Organisation, die die freie Internetenzyklopädie Wikipedia und zahlreiche Schwesterprojekte betreibt. Doch das Geld reicht nicht für alle geplanten Ausgaben. Die Stiftungsvorsitzende Florence Devouard kündigte schon Verzögerungen bei geplanten Projekten an.

Offiziell sollte die Spendenkampagne schon in der vergangenen Woche ablaufen. Devouard teilte nun aber auf der Wikimedia-Mailingliste mit, dass die Aktion verlängert wurde. In ihrem Zwischenfazit weist sie darauf hin, dass die erzielten Einnahmen nicht ausreichten: "Wir werden mit beschränkten Finanzmitteln auskommen müssen. Das bedeutet, dass wir einige Vorhaben hinausschieben." Im vergangenen Jahr hatte die Stiftung auf Spendenaufrufe verzichtet, um sich zuerst einen Überblick über die eigenen Finanzen zu verschaffen und die Arbeit der Stiftung neu auszurichten.

Problemlos ging die Spendenkampagne nicht über die Bühne. Für Aufregung sorgten in der Wikipedia-Community die so genannten "matching donors": Dabei verpflichteten sich Sponsoren, die an einem Tag erzielten Spendenzahlungen aus eigener Tasche zu verdoppeln. Zwar diskutiert die Wikipedia-Community schon lange darüber, wie man finanzkräftige Sponsoren für das Projekt gewinnen kann, doch die Umsetzung während der Spendenkampagne sorgte für Kritik. So wurde für einen Tag auf jeder Webseite der Wikipedia das Logo der privaten Wohlfahrtorganisation Virgin Unite eingeblendet.

Aus Sicht der Wikimedia Foundation handelte es sich dabei um eine unverbindliche Dankesnotiz für die Verdopplung der Spenden durch den karitativen Ableger des Virgin-Konzerns. Für viele Wikipedia-Autoren war durch die Platzierung des Logos jedoch die Grenze zur Werbung überschritten. Außerdem sorgte für Unmut, dass die Form dieser Dankesnotiz nie innerhalb der Community zur Debatte gestellt worden war. Auch die Versicherung, dass die Sponsoren von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales handverlesen worden seien, konnte die Gemüter nicht beruhigen. Zwar gab es keine großen organisierten Proteste gegen das Sponsoring, einige Mitglieder machten sich aber mit ihrem Unmut laut bemerkbar. So berichtet Devouard von Protestschreiben an den Sponsor Virgin Unite. Wikimedia verzichtete danach auf weitere ähnliche Sponsor-Aktionen.

Der Großteil des Spendenaufkommens setzt sich nach wie vor aus Kleinspenden zusammen, eine anonyme Großspende über 286.800 Dollar trug jedoch wesentlich zu dem Ergebnis des Spendenaufrufs bei. Die Verlängerung des Aufrufs zeigte bisher wenig Effekt: Größere Spenden blieben in den letzten Tagen aus.

Der Finanzbedarf der Stiftung ist durch die hohen Abrufzahlen immer weiter gestiegen. In einer aktuellen Kalkulation geht die Wikimedia Foundation von monatlichen Ausgaben in Höhe von über 75.000 Dollar aus. Dazu kommen noch weitere Kosten: So wird die Anschaffung von 600 neuen Servern für über 1,6 Millionen Dollar geplant. Ebenso soll das Personal aufgestockt werden. Stehen genügend Finanzmittel bereit, soll unter anderem ein hauptamtlicher Geschäftsführer und ein Technik-Manager eingestellt werden. Auch stehen mehrere Posten für Softwareentwickler zur Diskussion. Ob und wie diese Ausgaben realisiert werden können, ist Thema einer Sitzung des Wikimedia-Vorstands, der an diesem Wochenende in Rotterdam tagt. (Torsten Kleinz) / (Torsten Kleinz) / (anw)

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