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Kohleabbau im Rheinland: Klimacamp hat begonnen – Auftakt für großangelegte Proteste

Tausende Menschen werden zum Klimacamp im Rheinland erwartet. Es soll Bildungsveranstaltungen und Proteste geben. Die Polizei kündigt eine konsequente Strafverfolgung an.

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Kohleabbau im Rheinland: Klimacamp ist gestartet – Auftakt für großangelegten Protest

(Bild: Klimacamp )

Mit dem Start eines "Klimacamps" hat am Freitag ein umfassender Protest gegen den Braunkohleabbau im Rheinland begonnen. Er könnte einer der größten in Nordrhein-Westfalen werden. Bis zu 6000 Teilnehmer sollen nach und nach auf einem Acker in Erkelenz am Tagebau Garzweiler eintreffen. Nach einem Bildungsprogramm zu Themen wie Klima, Ernährung und Migration in den ersten Tagen sollen sich vom 24. bis zum 29. August Protestaktionen anschließen.

"Wir werden Grenzen überschreiten, Gesetze übertreten. Aber wir werden achtsam miteinander umgehen und keine Menschenleben gefährden", sagte eine Sprecherin des Klimacamps. Die einzelnen Gruppen würden zu ganz unterschiedlichen Protestformen greifen.

Zu dem Protest werden viele verschiedene Organisationen erwartet. Unter anderem wird auch das Aktionsbündnis "Ende Gelände" vor Ort sein. Zudem haben viele Umweltverbände und Organisationen ihre Unterstützung zugesichert und eine Solidaritätserklärung zu den geplanten Protesten abgegeben. Darunter befinden sich 350.org, Bayernallianz, Bündnis für Atomausstieg Regensburg, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), BUNDjugend, Bundeskoordination Internationalismus, Bürgerbegehren Klimaschutz, Campact, INKOTA, Konzeptwerk Neue Ökonomie, NaturFreunde Deutschlands, Oxfam, PowerShift, Robin Wood, Umweltinstitut München und Urgewald.

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In der Erklärung heißt es, dass "sich immer mehr Menschen als Teil einer globalen Bewegung für Klimagerechtigkeit [verstehen]." Sie halten es für falsch, "dass wenige Menschen von dem mit Hilfe fossiler Energien erzeugten Wohlstand profitieren, viel mehr Menschen aber unter den durch ihre Emissionen verursachten Klimawandelfolgen leiden." Zudem sei man "erschüttert über die Politik des Wegschauens und die existenzielle Gefährdung von weltweit Millionen Menschen durch den Klimawandel." Ein zügiger Ausstieg aus der Kohle in Deutschland sei "eine der Voraussetzungen dafür, dass die globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad beziehungsweise 1,5 Grad begrenzt werden kann, wie es die Weltgemeinschaft mit dem Pariser Abkommen festgelegt hat."

"Ende Gelände" setzt auf zivilen Ungehorsam, schließt allerdings die Zerstörung von Infrastruktur und eine Gefährdung von Menschen durch Aktionen aus. Ziviler Ungehorsam habe sich aber gerade auch bei den Anti-Atomkraftprotesten als hilfreich erwiesen: "So würde es ohne den – auch ungehorsamen – Widerstand gegen Atomkraft keinen Atomausstieg geben." Die unterstützenden Organisationen "können angesichts der bedrohlichen Klimakatastrophe nachvollziehen, wenn sich jetzt Menschen zum zivilen Ungehorsam gegen den Kohleabbau gezwungen sehen" und erklären sich deshalb "solidarisch mit allen Menschen in ihrem friedlichen Protest gegen die Kohle".

Gleichzeitig kündigte die Aachener Polizei eine konsequente Strafverfolgung an. Sie schließt nicht aus, dass es zu gewaltsame Protesten kommt und wird von Einsatzkräften aus ganz NRW unterstützt. Zwischen "Ende Gelände" und der Polizei gibt es mittlerweile einen Schlagabtausch in den sozialen Netzwerken. Außerdem weist das Klimacamp darauf hin, dass ein "Legal Team" Menschen unterstützt, die sich nach den Aktionen mit rechtlichen Auseinandersetzungen konfrontiert sehen.

Weltweit wird der Klimawandel zunehmend auf die politische Agenda gesetzt. Als einer der aktuell größten Klimawandel-Leugner präsentiert sich der amtierende US-Präsident Donald Trump. Zum einen hat er den Rückzug der USA aus dem Pariser Klimaschutzabkommen angekündigt. Zum anderen lässt er Forschung zum Thema Klimawandel und kritische Aussagen zu fossilen Energien und Umweltverschmutzung unterdrücken. Selbst China – das Land mit den momentan weltweit größten CO2-Ausstößen – bezeichnete den Ausstieg der USA aus dem Klimaabkommen als "globalen Rückschlag".

Vor Kurzem hatte die US-Klimabehörde NOAA einen Bericht über das Jahr 2016 veröffentlicht: Demnach war es weltweit gesehen nicht nur das dritte heißeste Jahr in Folge und damit das wärmste seit Messbeginn vor 137 Jahren, sondern hatte auch den höchsten Meeresspiegel und den schnellsten CO2-Zuwachs. Im weltweiten Durchschnitt lag die CO2-Konzentration bei 402,9 Teilchen pro Million Teilchen (ppm) – und damit erstmals im Schnitt eines Jahres über der Marke von 400.

Auch im November wollen Aktionsbündnisse öffentlichkeitswirksam für den raschen Ausstieg aus der Kohle protestieren – Anlass ist der Weltklimagipfel der Vereinten Nationen in Bonn.

(mit Material der dpa) /

(kbe)

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