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Kollateralschäden bei freiwilligen Internetsperrungen

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Kunden der beiden Schweizer Internetprovider IP-Plus/Swisscom und Sunrise erhalten eine Fehlermeldung, wenn sie versuchen, die URL www.butlerweb.com/ aufzurufen. IP-Plus versorgt unter anderem das Netzwerk der Schweizer Hochschulen mit ISP-Dienstleistungen. Butlerweb, ein Hostingprovider mit Sitz im US-Bundesstaat Pennsylvania, wurde zufällig, wie die Swiss Internet User Group SIUG herausfand, die IP-Adresse zugeteilt, unter der zuvor das rechtsextreme Internetportal front14.org zu erreichen war.

Grund für die Blockierung des Zugangs für die Kunden der beiden Internetprovider ist die "Aktion Kinder des Holocaust" (AKDH), die vor einem Jahr erreicht hatte, dass mehrere Schweizer Internetprovider wegen der ungeklärten Rechtslage freiwillig mittels IP-Sperrung die Website front14.org unzugänglich machten (Schweizer Provider sperren Zugang zu amerikanischer Website). Inzwischen ist allerdings www.front14.org offline. Die SIUG bezeichnet diese Folge der Sperrung von Webseiten daher als "Kollateralschaden", da "Internetinhalte nicht ständig auf problematische Inhalte überprüft werden" können.

Auch der Düsseldorfer Regierungspräsident Jürgen Büssow, der über 80 Providern in Nordrhein-Westfalen Sperrungsverfügungen zugestellt hat, verlangt die Blockierung der gar nicht mehr existierenden Website front14.org. Gegen die Sperrung von Webseiten und die dabei auftretenden Kollateralschäden findet heute die vom Chaos Computer Club organisierte Demonstration Wegfiltern ist Wegschauen in Düsseldorf statt. Kurioserweise wurde auf der Website der Bezirksregierung Düsseldorf bereits gestern eine Pressemitteilung mit der "Sperrfrist: 06.04.2002, 15.30 Uhr" veröffentlicht. Hier ist die Demonstration schon abgehakt, vermutlich weil für die Bezirksregierung dann Wochenende ist: "Bei einer Demonstration des Chaos Computer Clubs (CCC) heute in Düsseldorf gegen die Sperrung rechtsextremistischer Seiten im Internet hat die Düsseldorfer Bezirksregierung eine Unterschriftenliste entgegengenommen." Ansonsten werden weiterhin die verlangten "Sperrungen von unzulässigen Internet-Angeboten" mit den bekannten Argumenten verteidigt.

Mehr in Telepolis: Access denied als Kollateralschaden. (fr)

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