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Kolumne: Innovation? Innovation! Fluch und Segen von Open Innovation

Schutz der Firmengeheimnisse und Open Innovation scheinen ein Widerspruch. Was tun? Rolf Scheuch geht dem in seiner Innovations-Kolumne nach.

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(Bild: EFKS, shutterstock.com)

Ich soll in einem Innovation Hub meine Firmengeheimnisse preisgeben? Nein danke! Doch ist es nicht so, dass gerade eine offene, interdisziplinäre Umgebung neues Denken und in der Folge Innovation hervorbringen kann? Na, und nun?

Eine Kolumne von Rolf Scheuch

Seit 1982 ist Rolf Scheuch (Mitbegründer von Opitz Consulting) in der IT tätig. Heute arbeitet er als Management-Coach, Referent und Autor. Schwerpunkt ist die veränderte Rolle der IT durch die Digitalisierung mit den spezifischen Themen Agilität, Rightsourcing und Innovationsfähigkeit der IT. Das Motto des Mathematikers ist "When in doubt simplify" und damit bewertet er Pragmatismus immer höher als theoretische Konstrukte.

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Beide Standpunkte habe ich bereits in Beratungen diskutiert. Stark vereinfacht sehe ich einerseits den Traditionalisten, der eher die Invention als patentwürdige Erfindung im Hinterkopf hat. Und auf der anderen Seite den Innovator, dem es vor allem um die Ideation mit einem breiten Gedankenaustausch, einem Querdenken und der Idee schlechthin geht. Ich meine, es braucht eine Kombination aus Erwartungshaltung und Innovationsphase, um Open-Innovations-Ansätze sinnvoll zu verfolgen.

Bevor es an die Praxis geht, etwas Theorie: Innovationsweite oder Offenheit der Innovation nehme ich als ein Kriterium gemäß den Überlegungen von Chesbrough, Vanhaverbeke, West in "Open Innovation: Researching a New Paradigm": Diese unterscheiden den Innovationsprozess grob in offene und geschlossene Innovation. Hierbei wird die offene Innovation (Open Innovation) als Gegenstück zur traditionellen, meist organisatorisch vertikalen Integration verstanden.

Bei der geschlossenen Innovation spielt grundsätzlich die interne Forschung und Entwicklung die Hauptrolle; die Produkte werden vom gleichen Unternehmen konzipiert, produziert und vertrieben. Im Gegensatz hierzu formulieren Chesbrough et al. den offenen Ansatz als "Open Innovation is the use of purposive inflows and outflows of knowledge to accelerate internal innovation, and expand the markets for external use of innovation."

Der grundlegende Kritikpunkt an dem geschlossenen Innovationsmodell ist, dass die unternehmensinterne Innovation meist auf die inkrementelle Innovation begrenzt ist. Der Grund liegt in der Innen-Fokussierung der Denkmuster wie auch einem meist rigiden, an klassischen KPIs ausgerichteten Portfolioprozess.

Das Open-Innovation-Modell geht von der Annahme aus, dass Wissen bei unterschiedlichsten Wissensträgern sehr weit verteilt ist. Ideen können von unterschiedlichsten Quellen und auch Branchen in den Prozess einfließen, aber auch von innen nach außen diffundieren. Jedoch behaupten wir, dass die eigentliche Innovation, der wirtschaftlich Erfolg, wegen der erfolgreichen Kommerzialisierung nur intern im Unternehmen beziehungsweise in dedizierten organisatorischen Einheiten mit Kontrolle durch das Unternehmen erfolgen kann.

Nun zum Traditionalisten: Überraschendes und neue Denkmuster können den Weg ins Unternehmen finden, aber gleichzeitig ist diese totale Öffnung auch nicht notwendigerweise erwünscht. Gerade Sicherheitsthemen und der Schutz von IP sprechen oft gegen Open Innovation. Somit bilden sich Mischformen aus, wobei sich die Kontrolle des Unternehmens sukzessive verringert.

Typischerweise können Innovationszentren wichtige Kunden oder strategische Lieferanten einbeziehen oder dediziert F&E an Institute oder Hochschulen vergeben. Letztendlich geht man meist einen Mittelweg. Wir bezeichnen diese Formen als "on-invite-only": Das Unternehmen lädt dediziert befreundete "Fremde" ein.

Als Resümee und Fazit der heutigen Kolumne habe ich einen kleinen Test vorbereitet. Wenn Sie die folgenden Fragen mit Ja beantworten würden, könnte es sein, dass Ihr Unternehmen für Open Innovation mehr als bereit ist:

  • Sie benötigen ein Umfeld für neuartige Ideen?
  • Sie wollen im Austausch mit Dritten eine Markteinschätzung und neue technologischen Möglichkeiten erhalten, ohne ein Kunden-Lieferanten-Verhältnis einzugehen?
  • Sie möchten eigenen Mitarbeitern hinsichtlich ihrer Innovationsfähigkeit fördern und ihnen eine temporäre Mitarbeit in Open-Innovation-Plattformen anbieten?
  • Sie möchten Chancen für eine öffentliche Förderung nutzen?

(jk)