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Kommentar: Adobe und Amazon pflegen die künstliche Dummheit

Alle Welt redet von künstlicher Intelligenz. Amazon und Adobe hingegen halten es bei ihrer Werbestrategie eher mit künstlicher Dummheit. Das findet c't-Redakteur Michael Link.

Nervige Online-Werbung von Adobe

Werbung, die auf die Palme treibt: für Produkte, die man schon hat und das zu Mond-Preisen, die sich als Sonderangebote tarnen.

Manchmal kann ich mir künstliche Intelligenz nur wünschen, denn gegenwärtig treffe ich eher auf die Auswirkungen künstlicher Dummheit. Ein Beispiel: Würden Sie als denkender Mensch jemandem einen Staubsauger anbieten, obwohl er gerade erst einen neuen gekauft hat?

Adobes Werbe-Roboter sind dumm genug, diese ungemein erfolgversprechende Methode trotzdem bei mir zu versuchen: Ihre E-Mails wollen mich zum Kauf von Photoshop Elements verführen. Wenn das ein Intelligenztest ist, dann ist Adobe schon durchgefallen. Denn die Software habe ich schon, und das könnte Adobe wissen, denn sie ist in der allwissenden Adobe-Cloud-Müllhalde registriert. Für Adobe kein Grund, mir das Paket nicht gebetsmühlenartig alle paar Tage noch mal anzubieten.

Obwohl das Opt-Out für Werbemails längst gesetzt ist, hört die Mail-Flut nicht auf. Als Folge leite ich jegliche Mail von Adobe automatisiert in den Papierkorb um. Freunden rate ich, zum Registrieren der Software doch besser eine Adresse zu benutzen, die sie nicht zum Mailabruf nutzen – ganz so, wie die Werber ja selbst keine Absenderadressen benutzen, auf die man antworten könnte.

Einen zweiten Intelligenztest muss ich bestehen: Adobe verkauft mich für dumm und dient mir die Software für den Schlagerpreis von 69,02 Euro an. Danke, aber danke, nein! Ich habe sie aus seriöser Quelle für 49 Euro gekauft. Noch schlauer wäre wohl gewesen, ich hätte ganz darauf verzichtet.

Die künstliche Dummheit von Adobes Werbestrategie hat dumme Folgen. Denn sie hält mich sogar davon ab, weitere Produkte aus dem Hause Adobe auch nur in Betracht zu ziehen.

Ähnlich handhaben viele Online-Shops das Thema bedarfsorientierter intelligenter Werbung. Auf den Shop-Seiten klappt es ganz gut damit und mag sogar eine gewisse maschinelle Intelligenz unterstellen. Denn die vorgeschlagenen Produkte passen einigermaßen zu meinem Verkaufs- und Stöberverhalten. Hingegen verfolgen mich Amazon-Anzeigen auf anderen Seiten wochenlang. Zum Beispiel für die Möbelroller, die ich schon längst in besagtem Online-Shop für meinen Umzug erworben habe. Hallo, Amazon-Werber? Wieso sehe ich solche Anzeigen immer noch? Ihr wisst doch, dass ich die Dinger längst gekauft habe! Auf die Idee, mir stattdessen Sackkarren oder Möbelgurte anzubieten, kommt ihr nicht?

Wenn Werbung das einzige ist, was Internet-Konsumenten zu erdulden bereit sind, wenn sie schon nicht für Inhalte von Webseiten zahlen wollen, dann, liebe Werber, setzt Anzeigen doch bitte so, dass sie entweder gar nicht zu mir passen – dann lenken sie mich nicht ab – oder so, dass sie mir tatsächlich nützen könnten. Auch der Seitenbetreiber und sogar die Werbenden hätten was davon. Win-Win-Win sozusagen. Nun muss ich los, ein paar Tracking-Cookies löschen.
(mil)

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