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Kommentar: Airnergys Fischen im Trüben

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Auf der Consumer Electronics Show schlug RCAs unter dem Namen Airnergy vorgestelltes Gerät Wellen. Es fängt die von WLAN-Basisstationen ausgestrahlte Energie auf (Energy Harvesting), um damit seinen internen Akku zu laden. Die so gesammelte Ladung soll Airnergy an Handys, Smartphones oder andere Portables weitergeben und so deren Energiespeicher auffüllen.

Wer nun aber hofft, allein mit der WLAN-Strahlung sein iPhone laden zu können, wird unweigerlich eine Bauchlandung erleben. Etwas Wissen über WLAN-Technik verknüpft mit simpler Mathematik belegt das: Eine WLAN-Basisstation darf hierzulande maximal 100 Milliwatt bezogen auf eine Kugeloberfläche abstrahlen (EIRP). Befindet sich das schätzungsweise 5 cm × 10 cm große Airnergy 1 m von der Basis entfernt, kann es – unrealistischerweise perfekte Energieübertragung angenommen – bestenfalls 40 Mikrowatt auffangen.

Allerdings sendet keine Basisstation dauerhaft, sondern selbst bei sehr viel Downstream-Datenverkehr höchstens 50 Prozent der Zeit. Die meisten Basen sind weit weniger aktiv. Selbst wenn man ein Dutzend vielsendende Nachbarn annimmt, kommen nur ein paar zusätzliche Mikrowatt heraus, weil die Nachbarn typischerweise deutlich weiter als 1 m entfernt sind und die auffangbare Leistung quadratisch (r2 aus der Kugeloberfläche) mit zunehmender Entfernung sinkt.

Zwar lassen sich bei mäßigem Wirkungsgrad drahtlos tatsächlich nennenswerte Leistungen übertragen, wie beispielsweise Intel und Sony demonstrierten, doch bleibt Airnergy hinter dieser Liga ungefähr um den Faktor 1 Million zurück: Unterm Strich reicht die mit Airnergy auffangbare Energie vielleicht, um einen genügsamen Taschenrechner zu betreiben, gewiss aber nicht, um einen Handy-Akku in sinnvoller Zeit zu laden.

So erscheint uns Airnergy als per USB befüllbarer mobiler Ladungsspeicher, dessen eigentliche Innovation allein auf Marketing-Seite liegt. Und das hat ja bekanntermaßen nicht immer viel mit der Realität zu tun. Die 40 Dollar, für die Airnergy im Sommer zu haben sein soll, dürften jedenfalls in Reserveakkus besser angelegt sein. (ea)