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Kommentar: Auf Nimmerwiedersehen, Flash!

Ein Nachruf und ein Nachtreten: Mit dem absehbaren Ende von Flash wird das Web nicht gut, aber immerhin besser, meint Herbert Braun und hat schon ein neues Ziel im Visier.

Kommentar: Auf Nimmerwiedersehen, Flash!

Nun ist also der Endgegner besiegt: Flash wird verschwinden. Dreieinhalb Jahre soll es noch dauern, aber bis dahin wird die früher so dominante Plattform mit ihrer einst 99-prozentigen Marktdurchdringung in einer staubigen Nische des Web-Altersheims darben. Player-Installationen, Anzahl der Anwendungen, Nutzung: Alle Kurven gehen steil nach unten. Und mit Flash wird auch das fehlgeleitete Konzept des Browser-Plug-ins (nicht zu verwechseln mit Erweiterungen) enden.

Die Browser-Hersteller haben längst die Daumenschrauben angesetzt, bald wird Flash nur noch als Click to Play laufen, wenn überhaupt. Seit ich vor zwei Jahren meinen aktuellen Rechner gekauft habe, bin ich ohne Flash Player im Web unterwegs – und habe es in der ganzen Zeit nur zwei- oder dreimal vermisst. Wobei "vermissen" nicht unbedingt das richtige Wort dafür ist.

Eigentlich wäre das ein guter Zeitpunkt für eine verklärende Rückschau: War Flash nicht auch irgendwie toll, damals, vor langer Zeit? Indem es Dinge ermöglichte, die mit offenen Webstandards erst 10, 15 Jahre später gingen? Indem es Leute zum Programmieren brachte, die ihre Ausbildung eher am Zeichentisch als im Rechenzentrum gemacht haben?

Nein, keine Milde. Bis Flash im Gully der Geschichte verschwindet, werden zweifellos noch tausende von Rechnern dadurch Opfer von Angriffen. Je schneller diese Technik ActiveX, dem Real Player und Java-Applets auf dem Müllhaufen der Webtechniken Gesellschaft leistet, desto besser.

Es ist ja nicht so, dass Flash erst seit der Erfindung des sogenannten Smartphones nervt. Wissen Sie noch, als Ende der 90er-Jahre jede schicke Website plötzlich einen zappeligen Splash-Screen haben musste? Wie weite Teile des Webs plötzlich geschlossene Bereiche wurden, die mit proprietären Werkzeugen gestaltet und für Lernwillige nicht zugänglich waren?

Klar, die Performance-Probleme, die Sicherheitslücken, die Adobe einfach nicht in den Griff kriegte, hätten für schlechtes Karma mehr als gereicht. Das eigentliche Problem mit Flash war aber, dass es nicht ins Web passte. Es war und ist darin ein Fremdkörper.

Das gilt auf einer rein technischen Ebene – ein Plug-in läuft ja nahezu komplett außerhalb der Kontrolle des Browsers. Aber Flash hatte immer auch eine andere Kultur, eine aus der Welt des 90er-Jahre-Grafikdesigns mit teuren Werkzeugen und geschlossenen Formaten. Später hat Adobe mit Flex den Brückenschlag zu den Codern versucht. Offenbar war es damals aber schon zu spät dafür – nicht zuletzt, weil am Ende doch alternativlos der Flash Player stand.

Wenn ich Flash vermissen werde, dann allenfalls als Buhmann. Denn die besonders aufdringlichen Werbebanner, die DRM-geschützten Videos und die ressourcenfressenden Animationen werden nicht weggehen: Das als HTML5 bekannte Technikbündel kann das inzwischen genauso gut. Mit Projekten wie WebAssembly und asm.js hält auch Binärcode wieder Einzug ins Web, der dessen Open-Source-Natur gefährdet. Das W3C ließ extra einige heilige Prinzipien über Bord gehen, um Flash noch die letzte Domäne wegzunehmen, indem es DRM akzeptierte. Die endgültige Entscheidung dafür fiel nach jahrelangem Gerangel übrigens erst vor drei Wochen – ob das Zufall ist?

Doch egal, was man von diesen Entwicklungen hält und wie man die Motive von Apple, Google und Mozilla einschätzt, gegen Flash vorzugehen: Dessen Verschwinden wird das Web verbessern.

Darauf stoße ich an – und jetzt auf zur nächsten Baustelle: Lasst uns den Internet Explorer loswerden! (Herbert Braun) / (axk)

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