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Kommentar: Auf jedem Radweg Vorfahrt für den E-Kinderwagen!

Moritz Förster freut sich auf den Kinderwagen mit Elektromotor, bald gehört das elendige Gekarre der Vergangenheit an. Wenn da nur der Restverkehr nicht wäre…

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Bosch packt die Probleme unserer Zeit an: Dank E-Antrieb endlich auch beim Kinderwagenschieben eine Hand fürs Smartphone frei.

(Bild: Bosch)

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Bosch stattet den Kinderwagen mit Elektromotoren aus – und denkt damit in die richtige Richtung, nur leider nicht weit genug. Sicher, der eStroller nimmt sich eines meiner zentralen Probleme des jungväterlichen Alltags an: Elektrifiziert hilft mir der Kinderwagen endlich dabei, den Nachwuchs nebst Bierkasten im unteren Ablagefach den Hügel hochzukarren. Zuvor benötigte ich dafür beide Arme, nun bleibt eine Hand fürs Smartphone frei. So muss das neueste Free-to-Play-Spiel auf dem Heimweg nicht auf mich verzichten, auf Instagram kann ich meinen Toller-Papa-Status festhalten. Bosch schafft so Freiraum für klare Prioritäten, endlich Zeit für die wichtigen Dinge im Leben.

Ein Kommentar von Moritz Förster

Moritz Förster schreibt seit 2012 für die iX und heise online. Er betreut neben dem iX-Channel die Bereiche Desktop und Office sowie Mobile Computing.

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Nur genügt das eben nicht. Zwar können sich schon jetzt lauffaule Geschwister auf manchen Kinderwagen als Trittbrettfahrer entspannen, doch mich als Vater belastet Bosch weiterhin mit dem elenden Schieben. Dabei könnte so ein Elektromotor doch gleich den kompletten Aufwand übernehmen! Folglich würde der Kinderwagen nicht nur den Nachwuchs, sondern auch mich durch die Stadt kutschieren. Nicht nur müsste ich mich dann endlich noch weniger körperlich verausgaben, so ein eStroller wäre den meisten Eltern sicher 5000 Euro aufwärts wert. Bei Kindern spart man schließlich nicht an der falschen Stelle. Alle profitieren.

Das Ganze wäre auch umweltfreundlicher. Im Vergleich mit dem vorm Elternhaus geparkten SUV selbstverständlich. Den eStroller bei der Umweltbilanz dem Steinzeitmodell gegenüberzustellen, das wäre hingegen rückwärtsgewandt und unmodern. Sonst ließe sich das Gleichnis "technischer Fortschritt rettet den Regenwald" schließlich nicht verkaufen. Apropos Wald: Damit ich mit dem eStroller nicht auf frische Luft verzichten muss, sehe ich die Gemeinden in der Pflicht, Wanderwege rundum zu asphaltieren. Im Sand sinkt der Kinderwagen aufgrund der Motoren und Akkus sonst ein, alleine bekomme ich das Ungetüm nicht befreit. Und Wurzeln im Weg stellen unüberwindbare Hindernisse dar.

Insgesamt muss der Gesetzgeber endlich familienfreundlicher auf den Fortschritt reagieren. Auf dem Gehweg ist so ein eStroller schließlich schlecht aufgehoben – mit mir als vom Smartphone abgelenkten Vater auf dem Trittbrett und dem Nachwuchs in der Knautschzone rast der Kinderwagen sonst sofort Passanten um. Ein besserer Ort ist vielmehr der Radweg, wie schon der E-Scooter zeigt. Aber der Radweg ist mittlerweile natürlich schon etwas vollgepackt mit dem Elektrofortschritt. In unserem Land gehen Kinder jedoch vor, also sollte ich hier das ultimative Vorrecht haben: Wer auf zwei Rädern bei nahendem eStroller nicht sofort in die Fahrspur ausweicht, dem sollte künftig mindestens eine empfindliche Geldstrafe drohen! (fo)