Kommentar: Ausgezeichnet - und doch nicht glücklich

Georg Schnurer, Chefredakteur von Heise resale, erhält als Auszeichnung für die Webseite die Note „sehr gut“ von „Deutschlands Beste Shops“. Doch statt Jubel bleibt am Ende nur ein langes Gesicht. Und ein Hinweis an die Rechtsabteilung.

Lesezeit: 4 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 160 Beiträge
Von
  • Georg Schnurer

So muss die Woche beginnen: Es ist Montagmorgen, und im E-Mail-Eingangsordner sticht mir eine Nachricht mit dem Titel „Ihre Webseite wurde bewertet“ ins Auge. Eine Bewertung? Für unsere Webseite? Das macht neugierig. Mit noch leicht schläfrigen Augen öffne ich die Mail von einer Jana Schemmel. Sie schreibt im Auftrag von Deutschlandsbesteshops.de und informiert mich darüber, dass unsere Webseite mit der Note „sehr gut“ ausgezeichnet wurde.

So etwas macht einen natürlich stolz und begierig lese ich weiter: Wir haben, so steht da, diese Auszeichnung als interessante Webseite erhalten. Die ohnehin schon stolz geschwellte Brust weitet sich noch etwas mehr, denn dieses Testsiegel, lese ich, sei das erste und einzige, das ausschließlich von Verbrauchern vergeben werde. Eine positive Bewertung, noch dazu von unabhängigen Verbrauchern, das ist doch mal was anderes als der sonst aus den Foren gewohnte harsche Gegenwind.

Also wer schreibt mir den jetzt? Jana Schemmel oder Sonja Lichtenau? Wahrscheinlich keine von beiden. Fragt sich nur, ob die Dame auf dem mitgeschickten Bild weiß, für welchen Mist sie da ihr Gesicht hergibt.

Auf dem Weg zum Kaffeeautomaten bin ich schon fast geneigt, meine Freude mit den Kollegen zu teilen. Doch so früh am Montagmorgen ist es noch recht still auf den Redaktionsfluren. Also bleibts bei der Tasse schwarzem Nass; mit koffeingeöffneten Augen lese ich mir die Mail noch einmal genau durch.

Wir haben uns qualifiziert, Teil des ersten Branchen-Online-Führers www.deutschlandsbesteshops.de zu werden. Nur Anbieter mit dem Testsiegel „sehr gut“ hätten dort Zugang und könnten gleichzeitig von diversen Vorteilen profitieren: TV-Werbung, steigende Umsätze und so weiter wird da versprochen. Zum Schluss wünscht uns dann eine Sonja Lichtenau noch „weiterhin viel Erfolg“.

Moment – abgeschickt hatte die Mail doch laut Absender eine Jana Schemmel, und jetzt strahlt uns da das Bild von Sonja Lichtenau entgegen. Und überhaupt, TV-Werbung? Steigender Umsatz? Was hat das mit heise resale zu tun? Wir sind doch gar kein Web-Shop, sondern eine Informationsplattform für IT- und Online-Händler. Ist das ganze womöglich ein Irrtum? Meinen die uns gar nicht? Die Euphorie vom frühen Morgen ist schlagartig verflogen.

"Test sehr gut" - sicher nicht nur zufällig erinnert das selbstgebastelte Test-Logo der Spammer an wirklich renomierte Auszeichnungen wie etwa die der Stiftung Warentest.

Ich frage also per E-Mail bei Jana und Sonja von Deutschlandsbesteshops.de nach, auf welche Webseite sich denn die erwähnte Auszeichnung genau bezieht. Bis die Antwort kommt, stöbere ich noch etwas auf der Webseite des Anbieters. Je mehr ich sehe, desto weiter rutschen die Mundwinkel nach unten. Alles, was die anscheinend wollen, ist mein Geld: Für eine Nennung auf der Webseite soll ich nach einer vierwöchigen Probezeit 55 Euro monatlich zahlen. Der Vertrag läuft dann 12 Monate und verlängert sich natürlich automatisch, wenn ich nicht rechtzeitig kündige. Klingt für mich nach einer klassischen Abo-Falle, nur dieses Mal beworben mit einer vermeintlichen Auszeichnung.

Kurzerhand telefoniere ich mit einigen der auf der Webseite genannten und angeblich ebenfalls ausgezeichneten größeren Unternehmen. Die Reaktion ist stets die gleiche: Keiner meiner Gesprächspartner kennt die Webseite und besonders begeistert ist man über die Erwähnung in diesem Kontext auch nicht. Man prüfe nun die Möglichkeit, die Verwendung des eigenen Logos auf Deutschlandsbesteshops.de untersagen zu lassen, erfahre ich.

Wer sich für einen Luxus-Anbieter hält, darf auch Geld an die Ubag Tech AG überweisen, wenn er denn in deren Luxus-Webkatalog genannt werden will. Echte Luxusmarken haben solche Dienste freilich nicht nötig.

Na, ob mir Jana oder Sonja von DeutschlandsBesteShops.de angesichts dieser Informationen wirklich auf meine Nachfrage antworten? Einige Tage später habe ich tatsächlich Post von Sonja Lichtenau. Doch statt einer Antwort auf meine Frage schreibt die rührige junge Dame dieses Mal im Auftrag von Online Deluxe. Angeblich hatte uns eine Frau Stephanie Williams empfohlen, weshalb man uns nun einlade, unsere Webseite gebührenfrei auf www.online-delux.de zu präsentieren. Wieder locken gewinnbringende Vorteile, und wieder geht es um mein Geld: Mit der Registrierung der Webseite, so lese ich in den AGB, verpflichte ich mich zur Zahlung von 55 Euro monatlich, für 12 Monate und so weiter.

Jetzt arbeitet die liebe Sonja laut E-Mail-Adresse übrigens für die Deutschland-group-ag.de. Die wiederum ist eine Marke der Ubag Tech AG mit Sitz im schweizerischen Sarnen. Das Unternehmen betreibt noch weitere Verzeichnisdienste wie etwa „DieBestenMeinerStadt.de“. Das Strickmuster der Webseiten ist stets gleich: Schicke Bilder und eine lange Kundenliste, fein sortiert nach Branchen.

Ich hab die Nase voll von Sonja, Jana, deren „Auszeichnungen“ und deren Spam. Soll sich doch unsere Rechtsabteilung mit der Ubag Tech AG und den von dieser versendeten unerwünschten Mails beschäftigen. (gs)