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Kommentar: Das Fairphone ist gut genug

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Das Fairphone würde jeden herkömmlichen Vergleichstest verlieren, denn es gibt günstigere Smartphones, die leichter, schneller und ausdauernder sind. Ein Erfolg ist es trotzdem.

Es muss nicht im Preiskampf oder Feature-Wettrennen mithalten, sondern einfach gut genug für seine Fans sein. Und das ist es. Wer einem unbekannten Unternehmen, das noch nie irgendetwas produziert hat, 325 Euro vorschießt, hat andere Prioritäten als Pixel und Gigahertz. Zum Beispiel:

  • Transparenz: Ob das Fairphone fairer ist als andere Phones und was fair bedeutet, darüber kann man streiten. Aber kein Hersteller verrät annähernd so viel über Herkunft und Kosten seines Produktes wie Fairphone. Für viele ist diese Transparenz ein Wert an sich.
  • Signalwirkung: Jedes verkaufte Fairphone ist eine Nachricht an andere Hersteller: "Ich gebe gerne mehr aus, wenn im Gegenzug die Arbeitsbedingungen besser werden." Und eine Nachricht an die Politik: "Die gesetzlichen Standards sind zu niedrig – tut etwas."
  • Guter Zweck: Drei Euro pro Gerät fließen in Recycling-Projekte in Entwicklungsländern, zwei Euro in einen Sozialfonds für die Arbeiter des Auftragsfertigers (der noch einmal zwei Euro drauflegt). Die Kosten für alle Nachhaltigkeits-Projekte betragen 22 Euro – nicht viel, aber immerhin.
  • Die Zukunft des Projektes: Fairphone ist das einzige Sozialunternehmen ("Social Enterprise"), das Smartphones herstellt. Gewinne fließen nicht an Investoren, sondern in Projekte zur Verbesserung der Bedingungen beim Abbau von Rohstoffen wie Gold und Kobalt. Der Erfolg ist ungewiss, aber mit jedem verkauften Fairphone steigen die Chancen.

Ein Kommentar von Christian Wölbert

Schreibt seit fünf Jahren für c't über Nachhaltigkeit, Verbraucherschutz und alle möglichen mobilen Geräte. Benutzt tapfer sein vier Jahres altes Smartphone, das immer störrischer wird. Aber einfach ein neues kaufen wäre ja nicht nachhaltig...

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Menschen, die aus diesen Gründen ein Smartphone kaufen, machen sich wenig Sorgen über Android-Versionen, rotstichige Kameras oder 1080p-Auflösung. Sie wollen einfach ein alltagstaugliches Smartphone, auf dem alle wichtigen Apps laufen. Und diesen Anspruch erfüllt das Fairphone. Achim Barczok, Smartphone-Experte der c't, sagt: "Klar hat es Schwächen, aber keine davon ist so schlimm, dass ich vom Kauf abraten würde."

Fairphone hat also eine riskante Crowdfunding-Initiative erfolgreich abgeschlossen und ein Produkt auf den Markt gebracht, das seine Zielgruppe zufriedenstellt, wenn auch mit Verspätung und Kommunikationspannen.

Und man darf nicht vergessen, dass das Gerät ein Mittel für einen besonderen Zweck ist. Die Fairphone-Macher wollen die Lieferketten der Elektronikindustrie offenlegen und "ernsthafte Diskussionen" anstoßen. Ursprünglich wollten sie das mit einer reinen PR-Kampagne über Konfliktmineralien erreichen. Nun haben sie es stattdessen mit einem Produkt geschafft.

Siehe dazu:

(cwo)