Kommentar: Der Abschied von der Flatrate

Dass die Deutsche Telekom sich vom Flatrate-Modell verabschieden will, ist nichts Neues. Neu ist aber, wie konkret die Pläne diesmal offenbar sind. Dabei könnte der Schuss auf die Flat gewaltig nach hinten losgehen.

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Von
  • Falk Steiner

Dass die Deutsche Telekom AG interne Überlegungen anstellt, sich vom Flatrate-Modell zu verabschieden, ist keine Neuigkeit. Auch dass sie entsprechende Vorgaben bereits ins Kleingedruckte ihrer Verträge mit den Endkunden geschrieben hat. Neu aber ist, dass diese Pläne zur Durchführung wohl konkreter sind als bislang angenommen: 384 KBit/s ab Volumenüberschreitung, das ist nicht einmal das DSL-Niveau des Jahres 2000.

Die Flatrate ist seit jeher eine Mogelpackung. Denn natürlich ist sie nicht wirklich Flat, sondern eine Art Solidarsystem: Die Wenignutzer zahlen für die Vielnutzer mit. Man könnte auch sagen, es sei das Sorglospaket – auch wer im Regelfall nur wenig Volumen benötigt, muss sich keinerlei Gedanken über irgendwelche Sonderzukauffunktionen machen, wenn er dann doch einmal viel Volumen durch die dafür ausgelegte große Pipeline jagt. Nur: Mit dem Netzausbau, mit dem die Telekom argumentiert, hat das alles wenig zu tun. Hier geht es um den Ausbau zum Nutzer, nicht um die Leitungen der MAN- und WAN-Netze, auf denen der Traffic sich trotz enormer Steigerungen bis heute nicht staut. Sie nimmt hier den Verkehr ihrer Kunden für ihre Ausbaupläne auf dem Weg zum Endkunden in Haftung.

In Wahrheit handelt es sich bei den Überlegungen also vor allem um das Eingeständnis des eigenen Scheiterns. Der aus Providersicht ruinöse, aus Verbrauchersicht willkommene Wettbewerb um die günstigsten Tarife mit dem größten Leistungsumfang basiert auf Mischkalkulationen. Und die sind offenbar nicht so, dass sie die Profitabilität aufweisen würden, die der Bonner Konzern gerne hätte. Nur könnte dieser Schuss auf die Flatrate auch ganz schnell nach hinten losgehen: Solange die anderen Internetanbieter Flatrates anbieten, wird die Telekom mit ihrer Idee scheitern müssen, so wie sie auch bislang weitgehend mit ihren Wünschen gescheitert ist, andere Player im Netz an ihren Netzausbaukosten zu beteiligen – mit Ausnahme des Staates, der den Breitbandausbau fördert. (axk)