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Kommentar: EA hat die Star-Wars-Lizenz in den Sand gesetzt

Schon wieder stampft EA ein geplantes Star-Wars-Spiel ein. Seit dem Deal mit Disney hat sich der Publisher bis auf die Knochen blamiert, meint Daniel Herbig.

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Kommentar: EA hat die Star-Wars-Lizenz in den Sand gesetzt

(Bild: Electronic Arts)

2013 sah die Zukunft von Star Wars rosig aus: Disney produzierte endlich neue Filme, und dank Lizenz-Deal mit Electronic Arts (EA) durften sich auch Gamer wieder auf frisches Futter freuen. Über fünf Jahre später fällt die spielerische Zwischenbilanz ernüchternd aus: Was EA bisher mit der exklusiven Star-Wars-Lizenz für Spielkonsolen angestellt hat, ist für das Unternehmen eine Blamage.

Ein Kommentar von Daniel Herbig

Daniel Herbig berichtet auf heise online unter anderem über Unterhaltungselektronik, Smartphones und Gadgets.

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In über fünf Jahren mit der wohl wichtigsten Spiele-Lizenz der Welt hat EA nur zwei Spiele herausgebracht, beides Battlefront-Titel. Das ist eine kümmerliche Bilanz. Dass es nicht mehr geworden sind, liegt auch an EAs Geschäftsmentalität. Ein lineares Action-Adventure von Visceral Games wurde 2017 an den Nagel gehängt, weil es als reiner Einzelspieler-Titel keine nachhaltigen Einnahmen generiert hätte.

Auf dieses Projekt hätte ein Open-World-Spiel von EA Vancouver folgen sollen, aber auch das wurde nun eingestellt. Die Entwicklung hätte EA zu lange gedauert, schreibt der gewöhnlich gut informierte Journalist Jason Schreier bei Kotaku. Über Jahre hinweg hat EA also mehrere Studios an Star-Wars-Spielen arbeiten lassen, die wahrscheinlich nie das Licht der Welt erblicken werden – peinlich. Man muss sich außerdem fragen, warum EA das legendäre Rollenspiel-Studio Bioware statt eines Nachfolgers der RPG-Reihe Knights of the Old Republic lieber den Online-Shooter Anthem entwickeln lässt. Was für eine verpasste Gelegenheit!

Umso ärgerlicher, dass die beiden Star-Wars-Spiele, die EA tatsächlich innerhalb von fünf Jahren auf den Markt gebracht hat, so uninspiriert sind. Battlefront ist ein mittelmäßiger Battlefield-Klon mit sporadischen Gastauftritten der lichtschwertschwingenden Star-Wars-Prominenz. Der Marktstart des Nachfolgers wurde vom Getöse eines phänomenalen Shitstorms übertönt, der von den Nerd-Foren direkt in die Mainstream-Medien donnerte: EA hatte mit einem astreinen Pay2Win-System Geldgier vor Spielspaß gestellt. Heute, nach Strategiewechsel und vielen Updates, ist Battlefront 2 ein ordentliches Spiel. Hängen bleibt aber vor allem der Ärger.

Die Star-Wars-Lizenz war für das chronisch unbeliebte EA eine echte Chance, die Herzen der Zocker-Gemeinde zurückzugewinnen. Einige Star-Wars-Spiele gehören zum Besten, was das Medium hervorgebracht hat: X-Wing, KotOR, Jedi Academy. Generell gelten Star-Wars-Titel auch finanziell praktisch als Selbstläufer, so beliebt ist die Marke.

Doch EA hat es versemmelt, mit spielerfeindlichen Geschäftsmodellen und Fehlplanung. Wir wissen nicht, was sich hinter den Kulissen abspielt. Aber das nach außen sichtbare Ergebnis wirft ein ungünstiges Licht auf das Spiele-Unternehmen: EA sieht darin nicht nur gierig, sondern auch inkompetent aus.

Noch ist aber nicht alles verloren: Die Titanfall-Macher von EAs Respawn Entertainment werkeln weiterhin an einem Action-Adventure im Krieg-der-Sterne-Universum. Und EA Vancouver wird nun ein kleineres Star-Wars-Projekt übernehmen, das zügig auf dem Markt landen soll – vielleicht klappt das ja diesmal sogar. Bis 2023 hat EA noch Zeit, dann läuft die Lizenzvereinbarung aus. Disney wird sich gut überlegen, ob danach nicht besser ein anderer Publisher in die weit, weit entfernte Galaxis geschickt werden sollte. (dahe)