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Technology Review

Kommentar: Eine Kaufprämie für Elektroautos wird nichts ändern

Die Kaufprämie wird Elektroautos in Deutschland nicht zum Durchbruch verhelfen, ist sich Karsten Schäfer sicher. Er sieht nur eine wirkungsvolle Möglichkeit.

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Kaufprämie

(Bild:  Håkan Dahlström Photography / Flickr / cc-by-2.0 )

Kommentar zur Kaufprämie von Karsten Schäfer

Karsten Schäfer, TR-Redakteur, hält Elektroautos im Grunde für sinnvoll, aber für 4.000 Euro hätte er doch lieber eine Bahncard 100.

Elektrisch zu fahren, ist toll. Ich liebe es. Und mir macht ein Renault Zoe fast genauso viel Spaß wie ein Tesla Model S. Viele sagen sogar, wer einmal elektrisch gefahren ist, will nie wieder einen Verbrennungsmotor haben.

Das Problem ist nur: Die allermeisten Deutschen sind noch nie elektrisch gefahren und sie wollen es auch gar nicht. Mit Verbrenner- und Elektroautos ist es ein bisschen so wie mit Schalt- und Automatikgetriebe. Die Anhänger des Schaltgetriebes wollen partout keine Automatik fahren, weil sie meinen, dass sie besser schalten können als eine moderne 9-Stufen-Automatik und man das wahre fahrerische Können eben nur mit einem Schaltgetriebe zeigen könne. Mit der gleichen Logik gehört für die meisten Deutschen eben ein Verbrennungsmotor ins Auto. Alles andere ist was für Weicheier. Obwohl Tesla mit dem Model S und seiner enormen Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit und Reichweite längst das Gegenteil bewiesen hat.

Hinzu kommen die Hersteller, die das Thema augenscheinlich genauso sehen. Nicht, dass die deutschen Hersteller nicht ebenfalls gute Elektroautos bauen und vermarkten könnten. Aber lange Zeit wollten sie das gar nicht. Jetzt gibt es ein paar Modelle von deutschen Herstellern, aber verkaufen will man sie eigentlich lieber nicht. Kein Wunder, sind doch die Margen bei den dicken Autos mit großen Verbrennungsmotoren ungleich höher. Anders ist nicht zu erklären, dass Volkswagen Elektroantriebe in den Up! und den Golf eingebaut hat, anstatt für ihre Elektromodelle zumindest eine andere Karosserie als bei den Modellen mit Verbrennungsmotor anzubieten.

Selbst die Bundesregierung scheint den Erfolg von Elektroautos nicht wirklich zu wollen. Denn eine Kaufprämie von 4.000 Euro wird an der Situation nichts ändern. Sie kostet Geld – das aber vor allem bei jenen landet, die ohnehin genug haben. Denn die Kaufprämie dürfte höchstens beim Zweit- oder Drittauto die Entscheidung zugunsten eines Elektroautos beeinflussen. Dann ist die Reichweite auch nicht mehr ganz so wichtig. Die Regelung sieht zwar vor, dass die Förderung nur bis zu einem maximalen Basispreis von 60.000 Euro gezahlt wird. Damit aber bleibt das reichweitenstarke Model S von Tesla außen vor. Stattdessen werden lieber Plug-in-Hybride mit 3.000 Euro bezuschusst, von denen die allermeisten niemals an eine Steckdose angeschlossen werden, dafür aber eine schwere Batterie durch die Gegend fahren, was den Vorteil für die Umwelt auf nahezu null fallen lässt.

Was wäre eine bessere Alternative? Viele nennen den Ausbau der Ladeinfrastruktur- tatsächlich sieht das Programm 300 Millionen Euro für diese Maßnahme vor. Der Ansatz würde an Fernstraßen und Autobahnen tatsächlich Sinn ergeben. Hinzu kommen sollten feste Ladeplätze in Städten, auf denen tatsächlich nur E-Fahrzeuge parken dürfen. Aber ein wirklicher Durchbruch wäre, würde die Regierung endlich beginnen, Verbrennungsmotoren stärker zu reglementieren. Der Zeitpunkt dafür ist mitten im Abgas-Skandal denkbar günstig. Gerade die Stickoxide aus den Dieselmotoren sorgen dafür, dass 60 Prozent aller Immissionsmessstationen in Deutschland über dem Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter liegen. Was läge näher, als die bestehenden Umweltzonen für Dieselautos zu sperren und in den Innenstädten nach und nach nur noch Elektroautos zu erlauben? Auch die schon oft geforderte Anhebung der Mineralölsteuer für Dieselkraftstoff und eine generelle höhere Besteuerung für Verbrennungsmotoren bei gleichzeitiger Steuerbefreiung für Elektroautos würde helfen.

Solange aber eine bescheidene Kaufprämie für die meisten der einzige Anreiz darstellt, sich ein Elektroauto zu kaufen, verbunden mit den Nachteilen einer geringen Reichweite bei langen Ladezeiten und wenigen Ladesäulen – solange wird sich durch die Kaufprämie keiner für ein Elektroauto entscheiden, der sich nicht ohnehin eins gekauft hätte.

Elektroautos in Deutschland (55 Bilder)

BMW produziert den i3 seit September 2013, in Deutschland wurde er ab November 2013 ausgeliefert. Grundpreis: 35.000 Euro. BMW gibt die Reichweite mit bis zu 200 km im Alltagsbetrieb an.

(jle)

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