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Kommentar: Elektromobilität – Pro und Contra Hybridantrieb

Contra

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Ein Kommentar von Karsten Schäfer

Karsten Schäfer, TR-Redakteur, fährt am liebsten mit Muskelkraft oder rein elektrisch.

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Hybridantriebe hätten eine tolle Übergangstechnologie werden können. Doch der Zug ist längst abgefahren. Schon 1997 hat Toyota mit dem ersten Prius gezeigt, dass ein Hybridantrieb wesentlich weniger verbrauchen kann als ein reiner Verbrennungsantrieb. Das Problem war nur, dass die anderen Autohersteller – allen voran die deutschen – kein Interesse an der Technik hatten. Zwar hatte Audi schon 1994 einen Audi 80 als Hybrid (genannt "duo") auf den Markt gebracht, allerdings zu einem völlig überzogenen Preis. Daraus schlossen die Automanager, dass bei den Kunden kein Interesse am Hybridantrieb bestehe – und setzten lieber auf den Dieselmotor.

Doch der Prius verkaufte sich gut und wurde auch technisch immer besser – und sparsamer. Als die deutschen Hersteller, getrieben von strengeren CO2-Grenzwerten, dann doch versuchten, auf den Hybridzug aufzuspringen, mussten sie erstaunt feststellen, dass die bis dahin belächelte Technik enorm kompliziert war und die Japaner einen großen Vorsprung hatten. Deutsche Hybridautos kamen nicht mal annähernd an die Verbrauchsvorteile des Prius heran.

Daran hat sich bis heute wenig geändert, wie der ADAC den deutschen Herstellern in seinem EcoTest bescheinigt. Auch Plug-in-Hybride sehen nur auf dem Papier sparsam aus, weil bei ihren Verbrauchsangaben die rein elektrische Reichweite angerechnet wird. Je höher sie ist, desto geringer die Verbrauchsangabe – ganz gleich was der Hybridantrieb ohne den Strom aus der Steckdose verbraucht. Doch viele Besitzer von Plug-in-Hybriden hängen ihr Auto selten an die Steckdose, fahren also fast nie rein elektrisch.

Plug-in-Hybride sind also nur dann verbrauchs- und schadstoffärmer, wenn der Nutzer mitmacht. In vielen Ländern sind die Fahrzeuge damit sinnlos: Sie können nicht in Nullemissionszonen fahren. In China haben sie schon heute keine Chance. In europäischen Ländern wie Norwegen, Irland oder den Niederlanden, die schon bald keine Verbrennungsmotoren mehr zulassen werden, auch nicht mehr.

Auch hierzulande wird es schon bald keinen Sinn mehr machen, neben einem Elektroantrieb noch einen Verbrennungsmotor ins Auto zu bauen. Reine Elektroautos gibt es schon ab 15.000 Euro. Weil die Batteriepreise viel schneller sinken, als von Experten angenommen, wird das Angebot an Elektroautos weiter zunehmen. Außerdem sind Elektroautos im Vergleich zu Verbrennern nahezu wartungsfrei. Ein enormes Plus für Autobesitzer. Und wer einmal ein Elektroauto besaß, will sowieso nichts anderes mehr, wie zahlreiche Umfragen belegen.

Ein Unterschied zum Verbrenner bleibt zwar: Wer lange Strecken ohne viele Ladestopps fahren will, sollte im Elektroautozeitalter besser zu einem Auto mit großer Batterie greifen, das entsprechend teuer ist. Aber war es nicht bei Verbrennern auch schon immer so, dass Vielfahrer eher die komfortableren und teureren Autos gekauft haben?

(jle)