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Kommentar: Googles Preishammer zielt auf den Wettbewerb

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Google packt den Preishammer aus. Statt die irrsinnige Spec-Schraube weiter zu überdrehen, greift der Suchmaschinenriese die Konkurrenz da an, wo sie am verwundbarsten ist – beim Preis. Die selbsternannten Premium-Hersteller dürften das zu spüren bekommen. Das kann man gut finden, denn es wurde mal Zeit. Wenn da nicht dieser bittere Beigeschmack wäre.

Der Markt wird nicht mehr an der Spitze gewonnen, sondern in der Mitte. Und da stellt Google das Preisgefüge auf den Kopf. Die Nexus-Tablets sehen zwar nicht ganz so schick aus wie ein iPad, dafür punkten sie in der Technikabteilung und sind deutlich billiger. Das kleine iPad hat nicht mal "Retina" oder sonst irgendeinen "amazing" Schnickschnack, den sich die Marketing-Abteilung in Cupertino ausgedacht hat, kostet aber fast doppelt soviel wie das Nexus 7.

Die neuen Nexen mischen den Markt auf.

(Bild: Google)

Auch das von LG gebaute Nexus 4 braucht sich vor der Konkurrenz wahrlich nicht zu verstecken. Für 350 Euro gibt es bei Apple noch nicht einmal das iPhone 4, das schon zwei Jahre auf dem Buckel hat. Samsung ist mit seinen Galaxy-Flaggschiffen auch lieber in Hochpreisregionen unterwegs. Und Nokia liegt selbst mit seiner neuen Mittelkasse deutlich drüber.

Überhaupt Nokia: Die Finnen kämpfen verzweifelt gegen die eigene Obsoleszenz und um verlorene Marktanteile. Verstehe einer, warum sie da nicht mit dem Preis bis hart an die Schmerzgrenze (und darüber hinaus) gehen, sondern meinen, mit 600-Euro-Smartphones gegen das Hochpreis-Establishment einen Blumentopf gewinnen zu können.

Es war an der Zeit, das jemand diese Gadget-Preisspirale durchbricht. Und jetzt komme mir keiner mit "Qualität kostet halt" oder "die Entwicklung neuer Prozessoren ist teuer". Fragt mal Peter Oppenheimer nach der Marge, auf die er jedes Quartal so stolz ist. Apple lässt wie alle anderen auch in China fertigen, weil die das sehr billig können. Dafür lassen sie sich das tolle Image (von dem die Kunden hoffen, dass es ein bisschen abfärbt) fürstlich entlohnen. Da ist noch viel Luft.

Man müsste der neuen Nexus-Familie also eigentlich jeden erdenklichen Erfolg wünschen – wenn es nicht Google wäre. Die kontrollieren mit Android ohnehin den Systemmarkt, mit Hardware müssen sie wohl kein Geld verdienen. Die billigen Nexen sollen dabei helfen, Googles Vormachtstellung zu zementieren. Mit den Kampfpreisen machen sie es dem Wettbewerb auf der Plattformebene schwer. Apple, auch wenn erster Adressat von Googles Schwinger, wird das wohl verkraften. Emporkömmling Microsoft trifft es schon härter. Dabei könnte eine dritte etablierte Kraft allen nur gut tun.

Wenn dabei nun allgemein gemäßigtere Preise rauskommen, kann man das gut finden. Aber man muss sich darüber im klaren sein, dass auch Google nichts zu verschenken hat. Wir alle sind das Produkt. (vbr)

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