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Kommentar: Gordon Gekko würde was mit Blockchain machen

"Wenn du einen Freund brauchst, kauf dir einen Hund“, rät der Finanzhai Gordon Gekko im Filmklassiker "Wall Street". Das gilt auch in Zeiten von Kryptogeld und Blockchain. Denn die machen es auch nicht besser, meint Axel Kannenberg.

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Bitcoin

(Bild: dpa, Jens Kalaene)

Ein Finanzwesen frei von Banken und Staaten, transparent, nachvollziehbar, manipulationssicher – das ist das Versprechen, mit dem Kryptowährungen wie der Bitcoin angetreten sind. Schluss mit Manipulationen durch korrupte Politiker und Zentralbanker, wir müssen nur noch der Kryptografie vertrauen und alles wird gut. Die Realität sieht dann doch etwas anders aus: Gier, Dreistigkeit, Schlamperei und kriminelle Energie sorgen auch im sauberen Kryptoland regelmäßig für verlustreiche Desaster.

Dieses Mal ist alles anders. Versprochen.

Ein Kommentar von Axel Kannenberg

Axel Kannenberg schreibt seit 2012 für heise online und die c't und interessiert sich für die wirtschaftlichen Aspekte der IT, insbesondere Bezahlsysteme und virtuelle Währungen.

So sozialisierte jüngst Bitfinex, eine von vielen mutmaßlich gehackten Bitcoinbörsen, ihre Verluste, indem sie ihren Kunden einfach mal über ein Drittel ihrer Guthaben wegrasierte. Als Ersatz gibt sie Tokens aus, die luftige Versprechen auf vielleicht bei Sonnenschein erfolgende Rückzahlung verbriefen. Und dann eröffnet sie auch gleich noch den (sicher nicht gebührenfreien) Handel mit diesen Tokens.

Anderes Beispiel: Der in die Ethereum-Blockchain programmierte Smart Contract erweist sich eher als Dumb Contract, so dass ein cleverer Angreifer die ganze millionenschwere Investmentgesellschaft DAO aufs Kreuz legen kann. Und was passiert? Das ganze Gerede von der vertraglichen Bindekraft des Codes wird mal kurz vergessen, der große Resetknopf gedrückt und ein Teil der Community, der das nicht mittragen will, ausgegrenzt. Von Kursmanipulationen, Ponzi-Spielen und den mysteriös entschwundenen Mt.Gox-Bitcoins fangen wir mal gar nicht an.

Algorithmus ist auch keine Lösung

Ein moderner Gordon Gekko würde da sicher auch was irgendwas mit Blockchain machen wollen; Blythe Masters, Mitarchitektin der US-Hypothekenkrise, tut es schon. Wo waren gleich noch mal die Vorteile eines Systems, das keiner menschlichen Kontrolle mehr bedarf? Ach, genau, die Blockchains von Bitcoin und Ethereum laufen fälschungssicher weiter und sind bei all den Hacks und Mauscheleien auch nie direkt kompromittiert worden. Aber was bringt das, wenn das darum gebaute Ökosystem keinen Bit besser als die bestehende Finanzwelt ist? Und welcher der Geprellten würde die Integrität der Blockchain und seine halbe Oma dazu nicht sofort gegen einen Staat tauschen wollen, der für die bei krummen Dienstleistern verlorenen Einlagen einsteht?

Märkte sind aus Menschen gemacht und wenn viel Geld im Spiel ist, zeigt der Homo sapiens gerne mal, dass Vernunft, Maß und Anstand eher zu seinen Tertiärtugenden gehören. Durch kryptografische oder gesetzliche Arrangements lässt sich das nie wirklich eindämmen. Vor zwei Jahren schrieb ich im Überschwang von halbvollstem Vertrauen in den Bitcoin. Heute wäre die andere, vielleicht gewichtigere Hälfte dessen nachzutragen: gesunde Skepsis vor allen, die Algorithmen als Lösung für ein Problem namens Mensch anpreisen. (axk)

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