Kommentar: Keine Sternchen für Conrad

Wenn Datensammelwut und übertriebene Werbung zusammen kommen, wird selbst der wohlwollendste Kunden zum Totalverweigerer.

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Von
  • Georg Schnurer

Ja, ich gebe es zu: Ich habe in der Vergangenheit das eine oder andere Mal bei der Firma Conrad Electronic eingekauft. Zumeist im örtlichen Laden, mitunter aber auch im Online-Shop. Deshalb bekam ich immer mal wieder eine E-Mail mit aktuellen Angeboten oder einem Gutschein. Das war auch völlig in Ordnung – sowohl juristisch als auch persönlich: Ich habe nichts gegen Werbung, im Gegenteil, mitunter freue ich mich sogar über Prospekte im Briefkasten und Werbung in der E-Mail-Box. Na, und da ich mit Conrad Electronic durch die Online-Bestellung eine Geschäftsbeziehung eingegangen war, durfte mir das Unternehmen auch gelegentlich den neuesten Prospekt mit der Post schicken und auch die eine oder andere E-Mail ins Postfach werfen.

Die Welt war also in Ordnung und meine "Kundenbeziehung" mit Conrad hätte auch keinerlei Schaden davongetragen, ja, wenn es die Jungs bei Conrad nicht übertrieben hätten: Während ich in der Vergangenheit gefühlt eine E-Mail im Monat von dem Elektronikvertrieb bekam, ist es seit einiger Zeit gefühlt eine pro Tag. Der Versender hat nämlich die Frequenz seines Newsletters erhöht. Ich vermute mal, weil irgendein Marketing-Fuzzi denen eingeredet hat, dass man so den Markt besser penetriert.

Viele Sternchen, also viele Pflichtfelder? Weit gefehlt: Roter Stern heißt hier nicht "Pflichtfeld" sondern vielmehr "freiwillige Angabe".

Nun, ich kann da natürlich nur für mich sprechen, aber ich fühle mich durch solch eine Werbeflut eher im Wortsinne penetriert, also "gefickt". Der Ärger über diese Belästigung sorgt dann dafür, dass mein Interesse an den beworbenen Produkten schlagartig gen Null geht und ich mir überlege, wie ich denen den Hahn zu drehen kann.

Klar, eine schnelle Lösung wäre ein Eintrag im Spam-Filter gewesen. Dann würde die Conrad-Werbung automatisch da landen, wo auch all die Angebote für Potenzmittel, Genitalvergrößerungen und Co. landen: Im digitalen Reißwolf. Doch Conrad Electronic ist nicht irgend so ein Spammer, hab ich mir gedacht. Als ordentliche Firma mit Sitz in Deutschland kann ich mich da bestimmt mit wenigen Klicks vom Newsletter abmelden und so wieder für etwas mehr digitale Ruhe sorgen.

Und tatsächlich: Am Ende einer jeden E-Mail von Conrad Electronic gibt es einen passenden Abmelde-Link. Mit dem Ärger über die letzte Mail im Bauch – es ging um eine befristete Sonderaktion für "handliche Helfer für jeden Heimwerker" sowie "Qualitätswerkzeug in Industriequalität" – klickte ich also auf den Abmelde-Link. Es öffnet sich eine Webseite und dort gibt es tatsächlich einen wegklickbaren Haken zum Abmelden.

Doch was ist das: Auf der Seite wimmelt es auch noch von roten Sternen bei diversen Feldern: Anrede, Name, Vorname, Geburtsdatum, Postleitzahl – all das will Conrad Electronic wissen, wenn ich mich vom Newsletter abmelden will? Die spinnen doch und kennen die Gesetze nicht, schießt es mir spontan durch den Kopf. Also doch lieber den Spam-Filter aktivieren? Doch dann sehe ich mir das Kleingedruckte auf dem Formular genauer an und siehe da, die kennen die Gesetzeslage doch, die Jungs bei Conrad Electronic. Als Erklärung für die vielen roten Sterne steht da nämlich nicht, wie bei Onlineformularen üblich, "Pflichtfeld", sondern vielmehr "freiwillige Angabe".

Oh Mann, liebe Firma Conrad, jetzt habt ihr es wirklich geschafft: Wer mit solchen Tricks arbeitet, der findet sich bei mir leider sofort auf der geistigen "Do-Not-Shop-Here-Liste" wieder. Schade eigentlich, denn für den Einkauf eilig benötigter Elektronik-Komponenten war der Conrad-Shop vor Ort bislang meine bevorzugte Adresse. Also, verehrte Firma Conrad Electronic, für diese Glanzleistung gibt es von mir keine Sternchen. (Georg Schnurer) / (gs)