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Technology Review

Kommentar: Meine Freunde, die Roboter

Warum der Liebe-deinen-Roboter-Tag mehr ist als eine spleenige Nerd-Idee.

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Kommentar: Grenzwerte? Meine Freunde, die Roboter

Hug me: Die Kommunikationsmanagerin von Aldebaran, Aurora Chiquot, umarmt auf der CeBit den humanoiden Roboter "Pepper".

(Bild: dpa, Ole Spata)

"Your PHP installation appears to be missing the MySQL extension which is required by WordPress". Das fängt ja gut an. Wenn ich den Link auf die Ursprünge des "Liebe-deinen-Roboter-Tages" anklicke, sehe ich nur eine obskure Fehlermeldung. Schade. Denn laut kuriose-feiertage.de war der Liebe-Deinen-Roboter-Tag ursprünglich eine Promotion-Aktion der Musiker Victor Lams und Patience Wieland führ ihr Album "Robot Love".

Aber eigentlich ist das auch nicht mehr so wichtig. Denn die Idee eines solchen Feiertages hat sich längst verselbstständigt. Weil immer mehr Menschen erkennen, dass Roboter keineswegs die tumben Arbeitssklaven sind, für die wir sie lange gehalten haben. Sie entwickeln sich stattdessen zu denkenden, fühlenden Wesen.

Ein Kommentar von Wolfgang Stieler

Nach dem Studium der Physik wechselte Wolfgang Stieler 1998 zum Journalismus. Bis 2005 arbeitete er bei der c't, um dann als Redakteur der Technology Review zu wirken. Dort betreut er ein breites Themenspektrum von Künstlicher Intelligenz und Robotik über Netzpolitik bis zu Fragen der künftigen Energieversorgung.

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Nein, ich bin nicht vollkommen übergeschnappt. Erst kürzlich hat Hod Lipson von der Columbia University einen entsprechenden Aufsatz in der seriösen Zeitschrift Science Robotics veröffentlicht. Zugegeben, was die Schlagzeile vom "maschinellen Selbstbewusstsein" in der zugehörigen Pressemitteilung angeht, hat Lipson vielleicht ein bisschen dick aufgetragen - der Mann hatte schon immer ein Händchen für knackige Überschriften. Aber gelogen hat er nicht. Sein Roboter verwendet das so genannte "Goal Babbling" um eine Aufgabe zu lösen.

Das bedeutet, dass die Maschine eine Aktion ausprobiert, wahrnimmt, was sie gebracht hat und versucht, es in der nächsten Runde besser zu machen. Genau wie kleine Kinder, die auf diese Weise gewissermaßen in einem Zug eine Vorstellung von dreidimensionalen Raum, der Steuerung ihrer Muskeln und einfachen Ursache-Wirkungs-Beziehungen bekommen. Ganz nebenbei fällt dabei eine Art geistiges Modell der Maschine von sich selbst ab - wenn man so will ein Selbstbild. Die Idee ist nicht ganz neu. Sie wird von Forschern, die sich mit Developmental Robotics beschäftigen bereits seit einigen Jahren verfolgt und liefert nicht nur Fortschritte in der Robotik sondern hilft auch das menschliche Lernen in der Kindheit besser zu verstehen.

Im Moment sind die Aufgaben, und dementsprechend auch die Lösungsstrategien, die Roboter mit solchen Methoden entwickeln, noch ziemlich begrenzt. Richtig spannend wird die Sache, wenn die Maschinen ihre eigenen Ziele entwickeln - also so etwas wie eine künstliche Neugier entwickeln. Das ist zwar noch Zukunftsmusik, aber Forscher arbeiten daran. Spätestens dann, wenn Roboter aber tatsächlich anfangen, wie kleine Kinder zu lernen, sollten wir aufpassen, was wir ihnen beibringen.

In diesem Sinne: Stoppt die Gewalt gegen Roboter! Liebt eure Maschinen! Nur dann werden sie auch euch lieben! (anwe)