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Kommentar: Microsoft ist das neue Apple

In den vergangenen Tagen haben wir zwei Produktpräsentationen gesehen, die unterschiedlicher nicht sein können. Während Microsoft überrascht, wirkt Apple ideenlos, meint Volker Briegleb.

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Kommentar: Microsoft ist das neue Apple

Apples Marketing-Chef Phil Schiller findet das neue Macbook Pro super.

(Bild: Screenshot)

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Als Tim Cook mit dieser lahmen App anfing, ahnte ich es schon: Das wird heute nichts. Und tatsächlich, nach fast anderthalb Stunden die Erkenntnis: War auch nix. Alle Hoffnungen, dass sich Apple zur Abwechslung mal wieder ernsthaft mit dem alten Kerngeschäft beschäftigt, wurden enttäuscht.

Dafür gibt es jetzt ein Macbook mit einem Touch-Display für Emojis.

Disclaimer: Ich bin ein Fanboy. Mein erster eigener Rechner war ein Apple-II-Klon in einem unförmigen Metallgehäuse. Später Leidensjahre mit einem untermotorisierten Performa und System 7. Dann diverse andere Macs. Heute arbeite ich zu Hause und in der Redaktion mit einem iMac. Für unterwegs habe ich ein kleines Macbook Air.

Das bietet Apple jetzt nicht mehr an. En passant hat Phil Schiller das kleine Air am Donnerstagabend beerdigt. Anzunehmen, dass dem 13er Air irgendwann das gleiche Schicksal droht. Wer was Kompaktes will, soll doch bitte schön das Macbook nehmen, meint Apple. Nur: So ein Core-M kommt mir nicht ins Haus. Das tolle am Air ist ja gerade, dass in diesem kleinen Teil eine CPU mit ordentlich Leistung steckt.

Ein Kommentar von Volker Briegleb

Volker Briegleb schreibt seit 2006 für heise online und die c't. Dabei interessiert er sich unter anderem für die Auswirkungen der digitalen Revolution auf andere Branchen.

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Und dann ist da ja noch die Anschluss-Misere. Unterwegs an Orten mit heillos überlasteten WLANs ist der USB-Port oft der einzige Weg, frisches Material auf den Rechner zu bekommen. Leise vor sich hin fluchend kramt man den für 25 Euro dazugekauften Adapter raus. Lieber nicht. Da kann Schiller mir noch so oft erzählen, wie viel schmaler, leichter, geiler das Macbook ist.

Und jetzt also die neuen Macbook Pros mit "Touch Bar". Das ist ein Gimmick, mehr nicht. Die schicke OLED-Leiste muss ihren Nutzen erst noch beweisen – und kann auch nicht kaschieren, dass Apple sonst nicht mehr viel einfällt. Es ist wie beim iPhone (für das man übrigens bei den neuen Macbooks einen Adapter benötigt – kostet natürlich extra): Dünner, leichter, schneller. Das geht leider auch auf Kosten der Akku-Größe.

Neue Ideen haben inzwischen andere. Deshalb lohnt es sich, den Blick über den Tellerrand zu heben. Es gab mal Zeiten, da war der PowerMac das Arbeitspferd der Medienbranche. Heute sitzen vielleicht noch die Berliner "Kreativen" mit ihren Macbooks im Café, aber in vielen Büros ist längst wieder der PC eingezogen. Und wie man die Zielgruppe elektrisieren kann, hat Microsoft am Mittwoch gezeigt. Lange hat mich nichts mehr so begeistert wie das Surface Studio mit dem Dial.

Ja, das Ding kostet mindestens 3000 Scheine – die neuen Macbooks gibt's allerdings auch nicht geschenkt. Wenn ein Architekt oder Designer sich davon mehr Produktivität verspricht, ist so ein Surface eine gute Investition für ein Unternehmen. Es ist gemacht, um damit zu arbeiten. Die anderen suchen unterdessen noch nach ihrem Adapter. (vbr)