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Kommentar: Mikrotransaktionen für maximalen Bonuscontent

Redakteur Fabian Scherschel hat versucht, Watch Dogs zu kaufen und ist dabei in der Flut von Sondereditionen hilflos untergegangen. Jetzt wünscht er sich die guten, alten Zeiten zurück, als Spiele noch am Stück verkauft wurden.

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Ein Kommentar von Fabian A. Scherschel

Fabian A. Scherschel schrieb von 2012 bis 2018 als Redakteur täglich für heise online und c't, zuerst in London auf Englisch, später auf Deutsch aus Hannover. Seit 2019 berichtet er als freier Autor und unabhängiger Podcaster über IT-Sicherheit, Betriebssysteme, Open-Source-Software und Videospiele.

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Die neuesten PC-Spiele der großen Publisher bieten wirklich eine Menge: bombastische Grafik, realistische Waffen, protzige Fahrzeuge und riesige Spieleumgebungen. Manchmal ist sogar eine gute Storyline dabei. Für solche Qualität lasse ich auch gerne schon mal 60 Euro springen, ohne mit der Wimper zu zucken. Das scheint heutzutage allerdings nicht mehr zu genügen, um die Produktionskosten wieder rein zu bekommen. Denn so gut wie jeder Spielehersteller versucht, die Spieler noch mit zahllosen Sondereditionen, DLCs (Add-ons als "Downloadable Content") und Mikrotransaktionen zur Kasse zu bitten.

Zugegeben, das Problem ist nicht neu. Valve verdient sich schon seit Jahren mit virtuellen Hüten eine goldene Nase und Sammlereditionen mit handbemalten Dämonenstatuen gibt es auch schon lange. Als ich vor kurzem darüber nachgedacht habe, mir das neue Ubisoft-Game Watch Dogs zuzulegen, ist mir allerdings der Kragen geplatzt. Laut Wikipedia gibt es von der englischsprachigen Version des Spiels zwölf verschiedene Ausgaben; in deutschen Landen existieren zehn Editionen. Man braucht eine seitenfüllende Tabelle, um die Unterschiede zu navigieren und auch nur ansatzweise zu verstehen, was man da eigentlich kauft.

Das ist ein Problem

(Bild: Wikipedia)

Ich will doch nur ein Spiel kaufen und mich nicht später drüber ärgern wollen, dass ich DLCs teuer nachkaufen muss, die ich besser gleich mitgekauft hätte. Jetzt muss ich mich mit einem Dutzend Spieleversionen herumschlagen und es gibt nicht mal eine, ultimative Edition, mit der man alles kaufen kann, wenn man das will.

Angesichts diesen Wahnsinns wünsche ich mir die Zeiten zurück, in der Videospiele in genau einer Version auf den Markt kamen – die hat man dann gekauft und wurde damit glücklich. Heute wird der Spieler ohne Unterlass mit Werbung für Packs und Bonus-Content bombardiert und muss jedes Mal nachschauen, ob es sich dabei jetzt um interessante Extra-Missionen oder lediglich ein digitales Hemd für den Hauptcharakter handelt. Und das ist erst die Spitze des Eisberges. In manchen Shootern habe ich das Gefühl, ich kann nur mit den anderen Spielern mithalten, wenn ich mir die guten Waffen sofort kaufe. Die Alternative, alles freizuspielen und dabei ständig gegen die anderen mit den größeren Knarren zu verlieren, ist nicht sehr verlockend.

Wer will sowas? Da wäre mir für ein gutes Spiel sogar glatt 100 Euro wert, eines, in dem alles von Anfang an drin ist. Mit dieser Ansicht scheine ich aber zu einer aussterbenden Rasse zu gehören. (fab)