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Kommentar: Musk, Zuckerberg, Cook & Co. schaden der Gesellschaft

Gegenwärtig wird wieder einmal deutlich, wie wenig IT-Bosse von gesellschaftlichen Institutionen halten, die ihnen im Weg stehen. Diese Institutionen müssen lauter verteidigt werden, fordert Martin Holland.

Kommentar: Musk, Zuckerberg, Cook & Co.

Ein paar wichtige Köpfe der IT-Industrie haben zuletzt deutlich gemacht, wie wenig sie von unserer Gesellschaft halten. Dem muss entschiedener widersprochen werden. So hatte der mit Paypal reich gewordene und sich bei Tesla als Visionär gerierende Elon Musk die Keule Medienschelte hervorgeholt. Seine Tweets schlossen dabei wohl nur deshalb nicht mit #Lügenpresse, weil er das deutsche Wort nicht kennt. Davor hatte Mark Zuckerberg mit antrainiertem Lächeln darüber hinwegzutäuschen versucht, für wie lästig er gewählte Volksvertreter hält – ganz gelingen wollte ihm das nicht.

Jeff Bezos' Amazon spielt darbende US-Städte gegeneinander aus. Die fühlen sich genötigt, noch so erniedrigend um Arbeitsplätze zu betteln, die mit der Ansiedlung des zweiten Amazon-Hauptquartiers verbunden wären. Tim Cook wiederum hatte die Chuzpe, zu behaupten, Apple gehe es nicht ums Geld. Wohl weil der Konzern seine Milliarden so lange im Ausland bunkern konnte, bis die verlangte Steuerschuld in den USA genehm war.

Zwar ist es beileibe nicht so, dass derartiges unwidersprochen bleibt, nur kommt berechtigter Widerspruch nicht an. Dass sich einer der Angesprochenen Kritik zu Herzen genommen hätte, hat man noch nicht gehört. Stattdessen liegt der Fehler natürlich beim Kritiker. So wurde Elon Musk seine unreflektierte Medienschelte nicht ohne eine Frage los, die von vielen als antisemitisch verstanden wurde. Darauf angesprochen meinte er, wer seine Anspielung "Wem *gehört* denn die Presse deiner Meinung nach?" für antisemitisch hält, sei doch selbst ein Eiferer. Viele seiner Fans waren da aber schon auf einschlägige Klischees angesprungen. Die Fans sind auch ein Grund, warum seine Worte eben nicht ohne Konsequenzen sind: Egal wie berechtigt Kritik an Musk oder Tesla ist, wer sie vorbringt, wird etwa auf Twitter regelmäßig massiv angefeindet.

Musks Twitter-Tiraden gehören sicher zu den medienwirksamsten Beispielen. Aber auch darüber hinaus lassen sich viele ähnliche Fälle finden, in denen Wirtschaftsvertreter Eckpfeiler unserer Gesellschaftsordnung attackieren und viel zu viel Unterstützung bekommen. Dabei sind die IT-Bosse keine guten Stichwortgeber, wenn es um unsere Gesellschaft geht. Sie sind Unternehmer, denen es im besten Fall nur darum geht, mit allen legitimen Mitteln wirtschaftlich erfolgreich zu sein.

Peter Thiel (li.) – hier mit Elon Musk – ist wohl einer der bekanntesten Libertären des Silicon Valley. Mit seinem Geld wurde das umstrittene US-Portal Gawker in den Ruin geklagt.

(Bild: picture alliance/dpa)

Im schlechteren Fall nutzen sie die ihnen gewährte Aufmerksamkeit dafür, asoziale Ansichten zu verbreiten. Vor allem bei Wirtschaftsbossen aus dem Silicon Valley mit ihrem libertären Gesellschaftsbild ist das nicht selten. Steuern sind für sie ein möglichst abzuschaffendes Übel, das – wenn überhaupt – nur für andere verpflichtend ist. Sie sind aber nicht einmal konsequent und nehmen Steuergeld mit offenen Händen, um anders nicht zu finanzierende Projekte wie etwa bei der Raumfahrt voranzutreiben.

Nur weil jemand tolle Smartphones verkauft, Arbeitsplätze schafft oder beliebte Science-Fiction-Serien rettet, heißt das noch lange nicht, dass dieser Person das Wohlergehen unseres Gemeinwesens am Herzen liegt. Gegenwärtig sieht es eher so aus, als wäre das Gegenteil der Fall: Asoziales Verhalten wie unterschiedslose Medienschelte und Ignoranz gegenüber Volksvertretungen darf die Gesellschaft Musk, Zuckerberg & Co. nicht durchgehen lassen.

Die vielbeschworene Disruption mag für Wirtschaftsbranchen erstrebenswert sein, für unsere Gesellschaftsordnung ist sie es nicht – oder zumindest nicht zu den Bedingungen der Wirtschaftsbosse. Die Teile dieser Welt, in denen es keine kritischen Fragen von Journalisten oder Parlamentariern gibt und in denen Steuern eher theoretische Konzepte sind, werden auch so schon größer. Es besteht keine Notwendigkeit, dabei auch noch zu helfen. (mho)

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