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Kommentar: O2-DSL-Drossel ist ein PR-Desaster mit Ansage

Ab Oktober will O2 für seine DSL-Anschlüsse Volumengrenzen einziehen. Trotz der Erfahrungen der Konkurrenz hält Telefónica Deutschland an den Drosselplänen unbeirrt fest – offenbar fest entschlossen, die Marke zu beschädigen.

Manchmal können Manager offenbar überhaupt nicht nachfühlen, wie ihre Kunden ticken. Die Telefónica-Marke O2 ist so ein Fall. Im Fahrwasser der Telekom-Drosselpläne hatte auch O2 im Herbst 2013 auf DSL-Angebote mit Drosselung umgestellt. Die Telekom reagierte erst nach einem Urteil, das ihr die Verwendung des Begriffs Flatrate für einen Drosseltarif verbot, auf die breite und anhaltende Kritik und ruderte Ende 2013 zurück. O2 machte weiter. Die Rechnung ging zunächst auf, die Aufregung legte sich wieder.

Nun aber rückt aber der Termin der Scharfschaltung bei O2 näher, und die Medien laufen sich mit ersten Meldungen über die klammheimliche Verschiebung des ersten Termins schon einmal warm. Die Reaktionen in den Foren sind eindeutig: DSL-Drosseln sind so populär wie Steuererhöhungen. Dass man sich von der Beschränkung freikaufen kann, senkt nicht das Empörungspotenzial der Kunden, sondern erhöht es eher noch. Der Anbieter schützt noch nicht einmal technische Gründe vor, sondern hält einfach nur die Hand auf.

Liest man auf der Seite von O2 nach, ist die Drosselung geradezu ein Segen, der Kunde profitiert vom "Fair-Use-Vorteil". Wie darf er sich das vorstellen?

Vorteil 1: Er muss sich um einen Volumenzähler kümmern und sein Surfvolumen stets überwachen.

Vorteil 2: Falls er auf Dauer zu viel surft, darf er bei 2 MBit/s tiefenentspannen.

Vorteil 3: Wenn es doch mal schneller gehen muss, darf er zusätzlich 15 Euro im Monat bezahlen.

Na, wer will da nicht gleich Kunde werden? Dass sich die Zielgruppe ob dieser Wortwahl verhöhnt vorkommen könnte, ist den für die Kampagne Verantwortlichen offenbar nicht in den Sinn gekommen. Und um das Maß vollzumachen, rechnen sie dem Kunden auch noch vor, dass ein HD-Video nur 2 MBit/s Bandbreite belegt. Die Qualitätsmesslatte bei O2 liegt offenbar niedrig.

Bislang hat O2 die Drossel noch nicht eingeführt. Erst sollte sie am 1. Juli kommen, nun am 1. Oktober. Was dann passiert, ist schon jetzt absehbar. Ende September, Anfang Oktober wird das Thema erneut in den Medien aufgegriffen, das Kundenecho wird wie bisher extrem negativ sein. Das Thema wird im Januar 2015 mit den ersten betroffenen Kunden noch einmal hochkochen. Wer im Haushalt Kinder oder Jugendliche und einen DSL-Anschluss von O2 hat, lernt spätestens ab Mitte jenes Monats alle aktuellen Flüche der jungen Generation kennen.

Als die Telekom an ihren Drosselplänen festhielt, machte der Begriff "Drosselkom" die Runde. In Beiträgen und Videos zogen Kritiker über den Konzern her. Die Flatrate war für viele plötzlich ein digitales Bürgerrecht, das es zu verteidigen galt. Für Telefónica und ihre Marke O2 wird sich auch ein griffiger Spottname finden. Der "Vorteil" könnte dabei zum neuen Mem werden. Wer dem Kunden eine Drosselung mit diesem Wort verkaufen will, bettelt ja förmlich darum. (uma)

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