Menü

Kommentar: Reader-Einstellung zerstört Vertrauen in Google

Von
vorlesen Drucken Kommentare lesen 356 Beiträge

Google stellt seinen RSS-Dienst Reader ein – das klingt nach einer kleinen Notiz, hat aber für einen großen Sturm unter Bloggern und News-Profis gesorgt: Eine Petition zum Erhalt von Google Reader unterzeichneten schon nach wenigen Stunden über 25.000 Nutzer. Für mich persönlich hat Google ein großes Stück Vertrauen verspielt, das vielleicht sogar den Ausschlag gibt, zukünftig auf Google-Dienste zu verzichten, vor allem auf die kostenlosen.

Reader-Clients wie der schicke Mr Reader müssen demnächst auf jedem Gerät alle RSS-Feeds selbst abgrasen. Schlecht für das Mobil-Transfervolumen.

(Bild:  Curioustimes )

Google Reader ist ein grundlegendes Instrument meiner Arbeit, mit dem ich täglich Stunden verbringe. Dabei kommen ein privater und ein Büro-PC zum Einsatz, mindestens ein Android-Telefon, oft ein Tablet – und gerade weil ich Smartphones und Tablets teste, oft temporär weitere Geräte; dabei nutze ich verschiedene RSS-Clients und Android, iOS, Windows Phone und RT. Essenziell ist dabei, dass Markierungen und Tags zentral gespeichert sind und dass der Gelesen-Status aller News von meinen fast 200 RSS-Feeds zwischen allen Geräten synchronisiert wird, damit ich keine News doppelt lesen muss. Google+ und Facebook sind keine Alternative, weil die Tag/Markierungs-Funktionen viel schlechter sind und die Timeline unkontrollierbar erscheint. Auch Twitter bringt mich nicht viel weiter, auch weil lange nicht alle Medien ihre Social-Streams so zuverlässig und vollständig – wenn überhaupt – betreiben wie ihre RSS-Feeds.

Dass Google einen Dienst einstellt, der nie auf Profit ausgelegt war, ist natürlich verständlich. Doch versäumt Google dabei, für Transparenz zu sorgen: Womit soll denn Geld reinkommen? Was wird als nächstes eingestellt? Chrome? Der Kalenderdienst? (Da erschütterte Google letztens schon die Windows-Phone-Nutzer mit der Ankündigung, die Active-Sync-Anbindung zu kappen.) Maps? Vielleicht sogar Android, wenn Google die Samsung-Dominanz zu stark wird? Die Geschäftsberichte geben keine große Auskunft darüber, welche Einnahmen Google aus solchen Diensten zieht.

Feedly stellt sich auf die Reader-Nutzer ein und gibt Tipps beispielsweise für kompakte Ansichten und Markierungen.

(Bild:  Feedly )

Also werde ich wohl die langen Mai-Wochenenden nutzen, um von Chrome auf Firefox umzusteigen, nach einer Alternative zu Docs zu suchen, von GMail auf beispielsweise Outlook.com zu wechseln; ich werde Kalender und Adressen einem irgendwo (gegen Geld) gehosteten Exchange-Server anvertrauen. Sich mal die aktuellen Twitter-Clients anzusehen, dürfte auch eine gute Idee sein. Mein nächstes Tablet wird vielleicht doch ein Amazon Kindle, und mein nächstes Telefon ein Blackberry oder Windows Phone.

Bleibt zu hoffen, dass Feedly oder andere Anbieter einen weitgehend API-kompatiblen Dienst gestartet bekommen, sodass die RSS-Clients sich schnell darauf umstellen können. Und, liebe Betreiber: Wenn ihr nicht sicher seid, Eure Dienste auf Dauer anderweitig finanzieren zu können, bitte nehmt Geld von uns Usern! (jow)

Anzeige
Anzeige