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Kommentar: Schluss mit dem Hyperloop-Hype!

Immer wieder wird über angeblich geplante Strecken berichtet, auf denen bald ein Hyperloop den Transport revolutionieren soll. Dabei ist noch gar nicht klar, ob der funktioniert und wie teuer er wird. Etwas mehr Bodenhaftung wünscht sich Martin Holland.

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Kommentar: Schluss mit dem Hyperloop-Hype!

Sieht doch hübsch aus, aber funktioniert das so auch? Und wieviel kostet eine Unterwasserröhre?

(Bild: Hyperloop One)

Eine große Klappe haben sie ja: Die beiden Hyperloop-Unternehmen überschlagen sich derzeit mit ihren Visionen dafür, wo und wie ihre Menschenrohrpost quasi morgen die Reisezeiten massiv verringern soll. Mal soll die Slowakei an die Welt – oder zumindest Österreich – angebunden, mal Russland vernetzt und zuletzt nun Helsinki und Stockholm quasi zu einer Metropole verknüpft werden. Egal, in welcher Form diese Ankündigungen ihre Ausgang nehmen, am Ende rasen sie um die Welt, ohne dass die Unternehmen bislang irgendetwas substanzielles vorweisen können. Und solange sich das nicht ändert, wachsen meine Zweifel.

Ein Kommentar von Martin Holland

Martin Holland schreibt seit 2012 für heise online und c't. Lange Zeit beschäftigte er sich vor allem mit den NSA-Enthüllungen des Edward Snowden und deren Folgen. Daneben befasst er sich aber auch mit Astronomie und E-Books.

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Hyperloop One und Hyperloop Transportation Technologies wollen Elon Musks revolutionäres Beförderungskonzept in die Realität umsetzen. Wie eine riesige Rohrpost soll der Hyperloop Lasten oder Menschen mehrere hundert Kilometer pro Stunde schnell befördern. Gleichzeitig versprechen beide Firmen, die immensen aquäduktartigen Strecken, auf denen die Röhren liegen sollen, günstiger zu bauen als Eisenbahnstrecken. Technische Hürden – wie etwa Erdbebensicherheit bei der Strecke in Kalifornien – werden verschwiegen oder klein geredet. Dabei sind Probleme wie die Ausdehnung der kalifornischen Strecke durch die thermische Expansion um Hunderte Meter ganz grundsätzlich und vielleicht nicht zu lösen.

Ganz aktuell etwa stellt Hyperloop One großspurig eine Studie vor, die darlegen soll, wie sinnvoll eine Verbindung der durch die Ostsee getrennten Hauptstädte Stockholm und Helsinki wäre. In der Broschüre werden als aktuelle Reisezeit mit dem Flugzeug dreieinhalb Stunden angegeben – beim Hyperloop 28 Minuten. Nicht erwähnt wird, dass in die Flugzeit die An- und Abreise eingerechnet wurde (ein Flug dauert nur knapp eine Stunde) und auch nicht, dass es einen anderen Flughafen gibt, der näher an Stockholms Innenstadt liegt. Die Reisezeit des Hyperloop würde auch nur erreicht, wenn er direkt vor der Haustür los rast und ohne Sicherheitskontrollen auskäme.

Diese baltische Strecke soll außerdem teilweise unter Wasser verlaufen. Die Röhre, durch die die Kapseln rast, wäre also dem Wellengang ausgesetzt. Ist das ein Problem? Die Broschüre sagt dazu nichts. An Passagieren erwartet Hyperloop One stattliche 42 Millionen im Jahr. Den Eurotunnel zwischen den Weltmetropolen London und Paris durchqueren jedes Jahr halb so viele. Das alles kann sich der interessierte Beobachter schon beim ersten Überfliegen denken und trotzdem wird der Bericht teilweise euphorisch weiter verbreitet. Hinterfragt werden die Zahlen, Annahmen und Versprechungen so gut wie nicht.

Es geht mir hier gar nicht darum, eine Technik niederzuschreiben, von der offenbar viele meinen, ihr gehöre die Zukunft. Ich liebe Science-Fiction und ich liebe Visionen. Aber beide Hyperloop-Firmen überbieten sich derzeit lediglich in großspurigen Ankündigungen. Mein Vorschlag: Sie sollten jetzt einfach mal was Funktionierendes bauen und dann offenlegen, wie teuer ein Kilometer Strecke wirklich ist. Eine Show-Vorführung der Hyperloop-Technik reicht nicht, denn die ist ja prinzipiell gar nicht neu. Wenn schon nicht an Naturgesetzen scheitern solche Projekte doch immer an den Kosten – und noch hat keiner erklärt, warum es diesmal anders sein soll. (mho)