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Kommentar: VR ist nur ein großer Hype!

Virtual Reality könnte schneller in der Bedeutungslosigkeit verschwinden, als viele wahrhaben wollen. Denn VR ist vor allem ein großer Hype, kommentiert Martin Fischer.

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Kommentar: VR ist nur ein großer Hype!

(Bild: c't)

Vor ein paar Monaten kurvte ich mit der Limo durchs Silicon Valley, neben mir ein Spitzenanalyst eines weltweit agierenden Marktforschungsunternehmens. Die Sonne brannte sich durch die Privacy-Verglasung. Irgendwo zwischen Palo Alto und Mountain View sagte er den Satz, den man mittlerweile häufiger hinter den Kulissen des Hardware-Marktes hört: "VR is just a big big hype". Wir waren uns einig.

Ein Kommentar von Martin Fischer

Martin Fischer arbeitet seit 2008 bei Heise, mittlerweile als leitender Redakteur bei heise online. Er kennt sich mit GPUs, Spiele-Engines und Computergrafik aus und befasst sich gerne mit Geheimprojekten.

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Virtual Reality gehört zu den meist überschätzen Technik-Themen der vergangenen 10 Jahre. Jeder, der selbst eine Oculus Rift oder HTC Vive über längere Zeit ausprobiert hat, wird feststellen: Nach ein paar Wochen hat man sich an das Mittendrin-Gefühl gewöhnt, der Wow-Effekt ist verblasst. Was bleibt ist Kabelsalat im Wohnzimmer, der zu einer unbequemen VR-Brille mit zu schlecht aufgelösten Displays führt. Durch das permanent sichtbare Pixelraster fühlt man sich direkt in die Zeit uralter Röhrenmonitore zurückversetzt. Retro-Grafik für 900 Euro? Nein danke!

Viele der derzeit erhältlichen VR-Spiele haben nur Demo-Charakter. Das hochgelobte The Lab von Valve beeindruckt kurz, fesselt aber nicht. Eine Killer-App für VR? Weit und breit nicht in Sicht! Die VR-Versionen von Doom und Serious Sam versprechen nichts weiter als Schießbuden-Gameplay. Und dafür sollen Spieler, geht es nach dem Willen der Industrie, tausende Euros für Hardware ausgeben. Selbst viele Early-Adopter machen das nicht mit.

Geht die Entwicklung so schleppend weiter, könnte VR-Gaming schneller in der Bedeutungslosigkeit verschwinden als in den schlimmsten Träumen von Palmer Luckey und Gabe Newell. Auch andere vermeintliche "Game Changer" wie Xbox Kinect oder 3D-Stereoskopie waren keine. Die Gamer-VR-Brillen könnte das Schicksal der einst hochgehypten Wii-Bewegungscontroller ereilen, die in unzähligen Wohnzimmern verstauben. (mfi)