Kommentar: Vodafone, geht's noch?

Zwei hochoffiziell anmutende Schreiben von Vodafone – die sich bei näherem Hinsehen als Werbung herausstellen. Das wirft bei Jo Bager Fragen auf.

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Kommentar: Vodafone - geht's noch?
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  • Jo Bager

Vorige Woche hat meine Lebensgefährtin eine Karte von Ihnen erhalten: "Wichtige Information", verkündet der auf rosa Papier gedruckte Schrieb, "An Ihrer Adresse gibt es eine wichtige Neuerung der Telefon- und Internet-Technologie. Rufen Sie daher bitte bis spätestens 24.2. bei uns an." Ein Stempelaufdruck "Wiederholter Zustellversuch" mit etwas, was aussieht wie ein handschriftlicher Vermerk, verstärkt noch den Eindruck eines offiziellen Schreibens.

Erst bei näherem Hinsehen wird klar, dass der Stempelaufdruck mit Handvermerk genauso gedruckt sind wie der Rest der Karte. Vorgestern dann die nächste Eskalationsstufe: Diesmal ein Brief auf grauem behörden-artigem Papier, "Betr.: DVB-T-Abschaltung erfordert Umstellung auf moderne TV-Versorgung".

Eine Analyse von Jo Bager

Jo Bager arbeitet schon seit fast zwanzig Jahren bei c't und seit dem Start auch bei heise online. Er schreibt über Suchmaschinen, soziale Netze und Web-Dienste aller Art und ist immer wieder fasziniert davon, wie sich die IT-Branche permanent neu erfindet.

Es ist nicht so, dass Sie Ihre Urheberschaft unterschlagen, Sie verschleiern sie (wie bei ähnlichen Kampagnen zuvor) nur: Ganz kleingedruckt geben Sie sich auf den Schreiben zu erkennen. Und auch, wenn man eine der angegebenen 0800er-Nummern wählt, ist sofort klar, dass man mit Ihnen telefoniert. Rechtlich sind die Schreiben also wohl nicht zu beanstanden. Dennoch zielt alles an ihnen – offizielle Anmutung, Fristsetzung – darauf ab, unbedarfte Konsumenten zu übertölpeln.

Dazu stellen sich mir ein paar Fragen: Was soll das? Gibt es wirklich Menschen, die auf eine solche Werbekampagne anspringen? Sind Sie wirklich darauf angewiesen, Kunden mit derlei Maschen zu ködern? Und wie passen solche Bauernfängereien zu einem Unternehmen, das auf seiner Homepage seine unternehmerische Verantwortung und sein gesellschaftliches Engagement herausstreicht und das mit seiner Stiftung "Menschen und Ideen fördern" will?

In einem Punkt sind Ihre Schreiben vorbildlich: Sie enthalten eine klare Angabe, woher Sie die Daten bezogen haben sowie eine Telefonnummer, unter der ich bei Ihnen der Zusendung von Werbung widersprechen kann. Ich wiederhole hier die Nummer, weil sie auf Ihren Schreiben so verdammt klein geraten ist, noch kleiner als Ihre Absenderadresse. Sie lautet

0800/588 83 56

Was diese Nummer betrifft, aber nur diese, wünsche ich Ihnen viele Anrufe. Vielleicht überdenken Sie das mit den "Behördenschreiben" dann ja mal.

Siehe dazu auch:

Ich habe eine Mail vom Vodafone-Konzernsprecher Volker Petendorf erhalten. Da sie sich ausführlich mit den angesprochenen Schreiben befasst, zitiere ich sie komplett:

Die Auslieferung der beiden von Ihnen genannten Werbemittel haben wir inzwischen gestoppt. Wir werden beide Werbemittel überarbeiten (Werbe-Postkarte zum Wechsel des Festnetzanbieters und Werbe-Brief zur Abschaltung von DVB-T) und künftig den aufgedruckten Stempel nicht mehr einsetzen.

Inhaltlich geht es um folgende beiden Themen:

*Werbemittel zum Festnetz / Internetanbieter*

Bei der von Ihnen angesprochenen Werbepostkarte geht es darum, Verbraucher dazu zu bewegen, sich über einen möglichen Wechsel des Festnetzanbieters Gedanken zu machen. Das ist grundsätzlich im Interesse der Verbraucher, denn ein solcher Wechsel des Internet- und Telefonanbieters bringt im Normalfall klare Vorteile: Man kann bei einem Anbieterwechsel oftmals eine Menge Geld sparen oder für das gleiche Geld mehr Leistung / Bandbreite bekommen. Wir setzen diverse Werbemittel ein, um auf unsere attraktiven Angebote für Telefonie und Breitband-Internet aufmerksam zu machen. Dabei nutzen wir bereits seit einigen Jahren auch die von Ihnen genannte Postkarte. Diese werden wir nun überarbeiten.

*Werbemittel zum TV-Angebot*

Sie Umstellung auf DVB-T 2, die in wenigen Wochen in etlichen Regionen Deutschlands startet, zwingt viele Nutzer dazu, sich Gedanken über ihren zukünftigen TV-Empfang zu machen. Eine Reihe von DVB-T-Nutzern brauchen neue Empfangsgeräte, sonst sitzen sie nach dem 29. März vor einem schwarzen Fernsehbild. Das von Vodafone versendete Schreiben informiert Fernsehnutzer über die Möglichkeit, TV auch über den in ihrer Region verfügbaren Kabelanschluss zu empfangen. Das leistungsfähige Kabelglasfasernetz bietet ein umfangreiches TV- und Hörfunkangebot, Video on Demand und zeitflexibles Fernsehen. Daher ist es grundsätzlich im Interesse der Verbraucher, Informationen über alternative Angebote zu erhalten. Wir setzen verschiedene Werbemittel in unterschiedlichen Gestaltungsformen ein, um auf die attraktiven Angebote in unserem TV-Kabelnetz aufmerksam zu machen. Das von Ihnen kommentierte Schreiben werden wir überarbeiten und dabei auch einen Formulierungsfehler („Abschaltung des analogen Fernsehdienstes DVB-T) korrigieren. (jo)