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Kommentar: Warum Amazon einen Android-Store öffnen will

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Der Internethändler Amazon wolle künftig auch Anwendungen für das Smartphone-Betriebssystem Android verkaufen, so lauten die Gerüchte beispielsweise bei TechCrunch. Ein eigenes Android-Gerät verkauft Amazon derzeit nicht, sondern die E-Book-Lesegeräte der Kindle-Reihe – da liegt der Schluss nahe, Amazon plane einen eigenen Androiden und vielleicht sogar die Einstellung der Kindles. Das mag durchaus stimmen, oder vielleicht läuft auch einfach nur ein zukünftiger Kindle 4 unter Android.

Wahrscheinlicher ist, dass Amazon sich in erster Linie als Content-Provider für den rasant wachsenden Markt der Android-Geräte aufstellen möchte. Amazon hat schon jetzt eine App im Android Market eingestellt, mit der man MP3-Songs kaufen und aufs Smartphone herunterladen kann. Die Kindle-App ermöglicht das Kaufen und Lesen aller E-Books, Zeitschriften und Zeitungen. Einen Videostreaming-Dienst hat Amazon immerhin schon mal im Angebot, wenn auch noch dünn bestückt, auf die USA beschränkt und nicht mobil abrufbar. Bestrebungen Richtung Internet-TV laufen, einen weiteren Musikdienst hatte Amazon letztens erst gekauft. Bücher, Musik, Filme, TV – da fehlen nur noch die Apps, und dann wäre Amazon das iTunes für Android.

Der Bedarf an einem großen Android-Softwareladen ist durchaus vorhanden. Google hat seinem Android Market zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet und die eklatanten Schwächen nicht oder zu langsam behoben. So funktioniert das auch von Entwicklern kritisierte Abrechnungssystem erst seit wenigen Tagen in Ländern wie Brasilien, Argentinien oder Hongkong – in Malaysia geht es immer noch nicht. Die Unterstützung verschiedener Hardware-Voraussetzungen ist teils unglücklich gelöst, und viele spannende Android-Geräte haben gar keinen Zugriff auf den Market, weil ihnen gewisse Hardwarekomponenten fehlen.

Vieles dürfte Google mit der Tablet-Version von Android verbessern, doch der Markt wartet nicht, sondern hat sich stark fragmentiert: Mehrere alternative Verzeichnisse wie Androidpit oder Androlib etablieren sich, einige Gerätehersteller kooperieren mit ihnen, andere bauen eigene Shopsysteme auf, beispielsweise Samsung für das Galaxy Tab. Problem an der Fragmentierung ist, dass lange nicht alle Alternativmärkte ein Abrechnungssystem haben und dass Entwickler sie alle im Auge behalten müssen.

Die Gerätehersteller würden bei einem zentralen Amazon-Shop mit einem Deal sämtliche Medien aufs Gerät bekommen – und üblicherweise zahlt bei solchen Deals der Händler dem Gerätehersteller eine Gebühr dafür, die App vorzuinstallieren. Die Hardware-Beschränkungen dürften moderater ausfallen oder ganz wegfallen, jeder Hersteller würde also das "Amazon-iTunes" installieren können. Auch die Entwickler würden profitieren, bekommen sie doch Zugang zu einer starken Handelsplattform mit weltweiter Verbreitung und soliden Zahlungsmethoden. Sogar der Anwender profitiert, bekommt er doch nun uneingeschränkten Zugang zu allen (dort eingestellten) Apps und möglicherweise ein großzügiges Modell zur Rückgabe von gekauften Apps, wenn sie nicht funktionieren.

Google wäre dann ein Konkurrent, der sich auch als Buchhändler versuchen will und sowohl ein Internet-TV wie auch einen Musikdienst plant. Das dürfte spannend werden. (jow)