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Kommentar: Warum der Smart Garden die Gärtner so sehr stresst

Der smarte Garten hat keine einheitlichen Standards und untergräbt die Funktionen des echten Gartens. Was für ein unnötiger Hype.

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Für manche ist Gartenarbeit Erholung, für andere einfach nur anstrengend. Wie Sie Ihren Garten smarter machen und worauf Sie bei Mährobotern, Vernetzung und automatischer Bewässerung achten sollten, erklären wir im Schwerpunkt Smart Garden.

Der Smart Garden ist kaum eine Hilfe. Jedenfalls, wenn man ihn mit dem Smart Home vergleicht: Das System erkennt, wenn man nach Hause kommt, öffnet die Fenster, schaltet Lichter ein und startet den Lieblings-Radiosender. Was bisher nur Science Fiction war, eine Utopie, funktioniert hier und jetzt erstaunlich gut. Dagegen ist die Intelligenz des Smart Gardens drastisch limitiert, er hat keine einheitlichen Standards und macht die Gärtner gestresster und nervöser.

Kein smartes Gadget für normale Nutzer schneidet die Hecke, gräbt die Erde um oder stellt einen Sichtschutz auf, damit die blöden Hubers von rechts nicht dauernd in Ihr Schlafzimmer glotzen. Nicht einmal die Bullshiteure, die ihre statistischen Formeln AI für viele Daten Big-Data unnötig verteilt in der Blockchain verkaufen, bewerben solche Geräte. So schnell werden die menschlichen Muskeln aus dem Garten nicht verschwinden – als positiver Nebeneffekt bleibt auch die menschliche Intelligenz im heimischen Garten.

Schwerpunkt: Smart Garden

Ein Kommentar von Marvin Strathmann

Marvin Strathmann arbeitet als Redakteur für heise online. Zuvor hat er für Chip Online, Focus Online, Zeit Online und die Süddeutsche Zeitung über Digitales geschrieben.

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Aber wie intelligent kann ein Garten ohne Menschen sein? Also was kann wirklich smart gemacht und automatisiert werden? Wer kurz nachdenkt, kommt auf zwei Dinge: Der Rasenmäher und die Bewässerung. Wer länger nachdenkt, kommt auf zwei Dinge: Der Rasenmäher und die Bewässerung.

Der Rest ist Quatsch. Wer im Garten smarte Lampen installiert, hat einfach Leuchten aus dem Smart Home in eine wetterfeste Verpackung gesteckt. Glückwunsch. Die Markise lässt sich vielleicht noch per App steuern, aber smart ist das nicht wirklich, da wurde nur der Knopf aufs Smartphone verschoben. Wer jetzt noch irgendwelche intelligenten Grillthermometer, Wetterstationen oder Bewegungsmelder anführt, um den smarten Garten zu retten, macht sich endgültig lächerlich.

Im Smart Home gibt es viele unterschiedliche Geräte, von der Heizung bis zur Kaffeemaschine. Sie sprechen nicht immer dieselbe Sprache, lassen sich aber Smart-Home-Zentralen oft bequem miteinander verbinden. Wie sieht es mit den beiden wirklich smarten Geräten im Garten aus, beim Rasenmäher und bei der Bewässerung?

Gardena stellt beide Produkte her und setzt auf den Standard Lemonbeat des Energieversorgers RWE – frei nach dem Sprichwort: Gibt dir das Leben Zitronen, mach einen IoT-Standard daraus. Während im Smart Home eher Z-Wave, ZigBee oder vielleicht noch EnOcean geläufig sind, erzeugt die Zitrone eher Fragezeichen. Gefrickel mit dem Automatisierungsdienst IFTTT ist die Folge.

Smarte Gartengeräte untergraben die Existenz eines Gartens. 90 Prozent der Deutschen finden Gartenarbeit entspannender als Yoga (sagt der Industrieverband Garten in seinem Jahresbericht 2019). 69 Prozent meinen, Gartenarbeit reduziert Stress und Nervosität, 50 Prozent finden, Gartenarbeit ist besser für die Fitness als Trainingsübungen. Kein Wunder also, dass es mehr als 900.000 Kleingärtner in Deutschland gibt (sagt der Bundesverband Deutscher Gartenfreunde): Sie zahlen sogar extra dafür, um in einem Garten arbeiten zu dürfen.

Mehr Entspannung und Fitness, weniger Stress. Diese Versprechen des dummen Gartens zerstören die smarten Geräte. Der smarte Gärtner steht am Ende gestresst und nervös auf der perfekt geschnittenen Wiese vor den perfekt gegossenen Erdbeeren. Er könnte auch auf einer Betonplatte im hippen, toten Steingarten stehen.

(str)