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Kommentar: Worst? Firefox?? EVER???

Firefox hat eine neue Bedienoberfläche namens Australis erhalten. Schön, elegant und modern soll sie sein. Doch den Nutzern gefällt die Umgestaltung nicht, die Kritik ist laut. Die Reaktionen sind überzogen, findet c't-Redakteur Daniel Berger.

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Mozilla hat ganz schön was riskiert und mit der neuen Firefox-Version die Bedienoberfläche seines Browsers umgestellt. "Schick" soll sie sein, "elegant" und "modern". Die Tabs sind "schlanker und weicher" und haben schöne Rundungen – kurz: "Unser schönster Browser", findet Mozilla.

Ein plötzlicher Ansprung von Traurigkeit im Nutzer-Feedback.

(Bild: Mozilla.org)

Doch Schönheit liegt im Auge des Betrachters und die Browser-Betrachter haben offenbar ein anderes Verständnis von Ästhetik. Die Reaktion auf die neue Oberfläche jedenfalls fällt leidenschaftlich aus – leidenschaftlich negativ. Auf der Feedback-Seite von Mozilla hagelt es Kritik in Spanisch, Russisch und ganz viel in Englisch: "It sucks; worst Firefox ever; Australis is shit", schimpfen die Firefox-Freunde. Ein bisschen übertrieben ist die Kritik schon. Aber egal, es herrscht jetzt große Enttäuschung, Traurigkeit und sehr viel Wut darüber, was Mozilla da angerichtet hat.

Das alles ist also ziemlich schlimm, nur zwischendurch melden sich zaghaft positive Stimmchen von Menschen, die einfach zufrieden sind: "Ich mag das neue Theme, in einer Woche haben sich alle wieder beruhigt", schreibt ein Optimist.

Ein Kommentar von Daniel Berger

Daniel Berger schreibt seit 2013 für c't und heise online. Er beschäftigt sich hauptsächlich mit Blogs, Browsern und sozialen Medien. Außerdem befasst er sich mit Webentwicklung und obskuren Content-Management-Systemen.

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Einige Pessimisten hingegen haben bereits aufgegeben. Sie mögen Veränderungen nicht, die Umgewöhnung macht ihnen doch sehr zu schaffen. Selbst nach "wenigen Stunden" konnten sich vereinzelte Nutzer noch nicht an das neue Menü gewöhnen. Niedergeschlagen wollen sie nur noch zurück zu ihrer alten Liebe. Da wird in großer Verzweiflung die Time Machine des Mac angeworfen, um wieder zu Firefox 28 zurückzukehren. Alles wieder beim Alten, alles wieder gut. Eine Dauerlösung ist das nicht, im Netz ist es wichtig, den Browser auf dem neuesten Stand zu halten. Da ist durchaus Flexibilität gefragt.

Also erst mal hin zur ESR-Version, die hat noch das gute Design, das nicht nach dem doofen Chrome aussieht. Das scheint wichtig zu sein, viele negative Kommentatoren kritisieren, dass die Australis-Oberfläche zu sehr nach Googles Browser aussieht. Immerhin befindet sich dort das "Hamburger"-Icon, hinter dem sich das Menü verbirgt, auch auf der rechten Seite. Umsortieren kann man bei Chrome aber nichts, anders als im Firefox. Da ist das neue Menü äußerst flexibel und praktisch, was den lauten Kritikern egal ist. "Firefox 29 = Chrome", verkürzt jemand, "sieht wie Chrome aus", bestätigt ein anderer. Da könne man ja gleich zu Googles Browser wechseln. Oder zu Opera? Lieber nicht, da herrscht auch große Unzufriedenheit, seit die Entwickler auf Chromium umgestiegen sind, dem Open-Source-Projekt hinter Googles Chrome. Ausgerechnet!

Die Wut über Australis ist überzogen. Es geht hier schließlich nur um das Aussehen eines Browsers, den es gratis gibt und der bisher gute Dienste geleistet hat. Noch ist es doch viel zu früh, dem neuen Design mit so viel Ablehnung zu begegnen. Ein bisschen mehr Zeit sollten sich skeptische Firefox-Nutzer schon gönnen, um die neue Bedienoberfläche mit seinem neuen Menü auszuprobieren. Außerdem wird Mozilla in den folgenden Versionen weiter am Design feilen und nachbessern – und am Ende gewöhnen sich vielleicht sogar die Pessimisten an das neue Aussehen. Und wenn nicht, gibt's da ja noch den Internet Explorer. Der braucht dringend etwas Aufmerksamkeit.

Firefox 29 (8 Bilder)

Die neue Oberfläche Australis soll das Aussehen von Firefox unter Windows, Linux und Mac OS X gleichartig machen

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