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Kommentar: Zerschlagt das Taschenrechner-Kartell!

Schultaschenrechner sind nicht auf dem Stand der Technik und vor allem überteuert. Nur zwei Hersteller teilen sich den Markt und sahnen dabei kräftig ab. Zeit, den Innovationsbremsern Dampf zu machen, findet c't-Redakteur Tim Gerber

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Rechner

Meine Töchter haben einen Altersunterschied von nur zwei Jahren. Bei der älteren wurde die Einführung eines grafikfähigen Taschenrechners von der Schule noch als pädagogische Errungenschaft zum Erlernen des Umgangs mit "neuen Medien" gefeiert (siehe Editorial Schule 1.1 in c't 15/15). Wir standen schultaschenrechnerisch gesehen damals schon am Abgrund. Heute, nur zwei Jahre später, sind wir einen Schritt weiter.

Denn meine jüngere Tochter darf bereits das Nachfolgemodell verwenden. Vom TI-84 plus (ab 93,94 €) sind wir zum TI-84 plus CE (ab 101,89 €) fortgeschritten. Allerdings geben die Produktbezeichnungen auch in etwa das Jahrzehnt (des vorigen Jahrhunderts) wieder, in dem wir uns bei den Taschenrechnern technisch befinden. Ein winziges Display ziert diese Geräte ebenso wie eine dreifach belegte Tastatur für alphanumerische Eingaben. Wesentliche Neuerung beim CE-Gerät: Ein Farbdisplay, vom Hersteller Texas Instruments vollmundig als "hochauflösend" angepriesen.

Es ist nicht so sehr die veraltete Technik, die mich stört. Sondern der Umstand, dass uns Eltern für diese technisch völlig veralteten Produkte ein Heidengeld abgeknöpft wird, nur weil wir keine Alternativen haben. Das Rechnermodell wird faktisch von der Schule vorgegeben und ohnehin hat TI mit Casio nur noch einen einzigen Konkurrenten. Und Casio macht es in seinen Hoheitsgebieten – die beiden haben sich den Markt in Deutschland fein säuberlich nach Bundesländern aufgeteilt – genau so.

Überteuert und veraltet: Schultaschenrechner, hier TI-84 plus und TI-84 plus CE-t von Texas Instruments

Während IT-Hardware eigentlich rapide im Preis verfällt, halten die Taschenrechner mit Preisen zwischen 100 und 150 Euro locker mit der allgemeinen Preissteigerung mit. Okay, im Klassensatz gibt es sie etwas billiger, aber knapp 100 Euro sind es schon. Es kann natürlich sein, dass das 320 mal 240 Pixel große 2,8-Zoll-Display des TI-84 Plus CE inzwischen solchen Seltenheitswert hat, dass TI es teuer als kaum noch hergestelltes Nischenprodukt zukaufen muss. Jedenfalls kann ich zu dem Preis so einen Taschenrechner locker selbst als Einzelstück bauen mit einem 4,3-Zoll-Touchscreen und auf Arduino-Basis.

Bei den Taschenrechnern selbst handelt es sich übrigens keineswegs um Nischenprodukte: Allein in Deutschland gehen jedes Jahr zigtausende Stück über die Theke. Und das allerschönste, jedenfalls für die beiden Monopolisten: Die Stückzahlen lassen sich ziemlich exakt vorausberechnen. Mit den Rechnern kann man also gut rechnen – und mit üppigen Einnahmen.

Schickt nun etwa der Staat Marktwächter vom Bundeskartellamt in die Spur, weil die Hersteller ihre eindeutig marktbeherrschende Stellung missbrauchen? Aber nein. Denn dann müssten womöglich die Schulverwaltungen flexibler werden und Lehrer mehr Arbeit in die Vorbereitung stecken, sich gar in verschiedene Rechnermodelle einarbeiten. Von dieser Seite hat das Kalkulatorenkartell nichts zu befürchten.

Im Gegenzug entlasten die Unternehmen den Staat auch noch von einer seiner vornehmsten Aufgaben: für die Ausstattung von Kindern sozial schwächerer Eltern zu sorgen. Das machen die Hersteller selbst, indem sie bei entsprechendem Nachweis die Rechner verschenken und sich auch noch als Wohltäter präsentieren. In Wahrheit aber finanzieren das allein die anderen Eltern, die die überteuerten Preise für den veralteten Rechner-Schrott berappen müssen. (Tim Gerber) / (vbr)

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