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Kommentar zu Battlefield 1: Berauscht oder entsetzt?

Battlefield 1 inszeniert den ersten Weltkrieg als fesselndes Action-Spektakel. Peter Schmitz fragt sich, ob man sich beim Spielspaß an Granatenfeuer, Gasangriffen und sterbenden Gegnern berauschen darf.

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(Bild: Electronic Arts)

Eines der von Action-Fans derzeit am heißesten erwarteten Spiele ist Electronic Arts' "Battlefield 1". Die grafische Qualität des auf der E3 präsentierten Multiplayer-Shooters von Electronic Arts ist über jeden Zweifel erhaben; das Entwicklerstudio DICE hat in technischer Hinsicht ganze Arbeit geleistet. Das Geschehen, durch das Spieler sich hindurchkämpfen, ist fesselnd inszeniert. Ja, man kann sich an diesem Spiel berauschen, die wirkliche Umgebung für Stunden komplett aus dem Blick verlieren. Leute, die Taktik-Shooter mögen, sind fasziniert und haben allen Grund dazu.

Ein Kommentar von Peter Schmitz

Peter Schmitz hat in seiner prä-c't-Zeit mal beim Programmierermagazin "toolbox" und bei der Spielezeitschrift "ASM" gearbeitet. Erzählt heute noch jedem, der es nicht hören will, dass er einst noch das Kleben von Layouts mit Satzfahnen gelernt hat.

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War "Battlefield Hardline" von 2015 eine Polizei-Ballerei, bei der die Bekämpfung Krimineller im Vordergrund stand (oder das Überleben als Verbrecher – je nach gewählter Seite), so hat "Battlefield 1" einen Hintergrund, bei dem für sehr viele Menschen der Spaß aufhört, auch für mich: den Ersten Weltkrieg.

Dem denkenden Menschen in mir wird übel, wenn ich mich spielerisch an Granatenfeuer, Gasangriffen und sterbenden Gegnern berausche. Und das, obwohl ich jahrelang für ein Spielemagazin verantwortlich war, bevor ich Anfang 1999 in die c't-Redaktion kam. Pixelblut und digitaler Tod am Fließband sind mir also keineswegs neu. Ja, es ist und bleibt ein tolles Spiel, und ich kann jedes Spielerteam verstehen, das bei einer Battlefield-1-Session einen Heidenspaß hat. Dennoch bleibt mir das mulmige Gefühl, dass es im Grunde genommen ein Heidenspaß am falschen Objekt ist.

Ich will das Entsetzen angesichts sinnlosen Sterbens nicht verlieren, will nicht abstumpfen, wenn Leute vor Schmerzen schreien, will Leiden lindern und nicht verursachen. Andererseits will ich ein Spiel aber auch als Spiel mit seinem eigenen Anspruch ernst nehmen und es nicht mit der Wirklichkeit verwechseln – auch nicht Spieler mit irgendeiner Elle messen. Wem Battlefield 1 Spaß macht, der ist deswegen nicht etwa ein Kriegsverherrlicher oder ein Mensch ohne Empathie. Berauscht oder entsetzt? Manchmal bin ich beides zugleich. Das ist ein Dilemma, aber eines, das man weder mit markigen Worten noch mit moralischer Empörung geschweige denn mit überlegenem Besserwisserblick auflösen kann. Egal von welcher Seite. (psz) / (axk)