Kommentar zu DirectX 12: Wir müssen reden, Microsoft!

Microsoft fährt noch immer die gleiche Kommunikationsstrategie wie zu Zeiten seiner absoluten Monopolstellung und rauscht mit DirectX 12 schon wieder in ein PR-Desaster.

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Microsoft kann einfach nicht kommunizieren. Und offenbar sind Spieler dem Weltkonzern egal. Jüngstes Beispiel ist die Aufregung darüber, dass es DirectX 12 nicht für Windows 7 geben wird. Seit März 2014 drückt sich Microsoft da vor einer klaren Ansage. Nun war es ausgerechnet ein AMD-Manager, der die frohe Botschaft auf einer Spieler-Veranstaltung verbreitet. Die Aufruhr unter Spielern, die ihr heißgeliebtes Windows 7 nicht aufgeben wollen, ist groß; ihre Wut richtet sich – natürlich – gegen Microsoft.

Ein Kommentar von Martin Fischer

Martin Fischer arbeitet seit 2008 bei Heise, mittlerweile als leitender Redakteur bei heise online. Er kennt sich mit GPUs, Spiele-Engines und Computergrafik aus und befasst sich gerne mit Geheimprojekten.

Dieses Kommunikationsverhalten stammt noch aus den Zeiten des Monopols, als die große Masse zu schlucken hatte, was Microsoft ihr vorsetzte. Doch Microsoft muss seine Zielgruppen jenseits des Geschäftskundensektors endlich ernst nehmen. Es reicht nicht, einen Twitter-Account aufzusetzen, der innerhalb von neun Monaten gerade Mal elf Beiträge ausspuckt und nicht ein einziges Mal auf Tweets aus der Community antwortet. Es reicht nicht, auf bunten Events über Schnittstellen zu reden, die offenbar noch nicht einmal endgültig spezifiziert sind. Es ist ein Unding, dass Käufer aktueller Grafikkarten noch immer nicht wissen, ob die voll mit DirectX 12 kompatibel sind. Und es kann nicht sein, dass sogar AMD-Vize Roy Taylor ein Jahr vor der Ankündigung von DirectX 12 noch nichts von dessen Entwicklung wusste. Das lässt auch Zweifel an Microsofts Kommunikation mit Partnern aufkommen.

Das PR-Desaster mit DirectX 12 hätte sich der Software-Gigant sparen können, indem er einfach mal offen kommuniziert. Zum Beispiel das, was schon ewig in Dokumenten steht, die auf der Microsoft-Website versteckt sind: Zwar versorgt Microsoft Windows 7 noch bis zum 14. Januar 2020 mit den wichtigen Sicherheitsupdates, doch neue Funktionen – etwa künftige DirectX-Versionen – gibt es nur bis zum 13. Januar 2015. Anstatt diese Fakten öffentlichkeitswirksam bei der Ankündigung von DirectX 12 darzulegen, schweigt Microsoft lieber.

Spieler haben diese Kommunikationstaktik satt und schauen gespannt auf die sich bietenden Alternativen: OpenGL Next wird immer wichtiger und läuft auf verschiedenen Betriebssystemen. AMDs Mantle mausert sich zum schnelleren Direct3D. OpenGL ES, Apples Metal und das Android Extension Pack bestimmen den Mobilmarkt. Wenn Microsoft nicht bald lernt, die Spieler ernst zu nehmen und gut zu informieren, könnte es mit Windows als Spieleplattform schneller vorbei sein, als die Redmonder denken – da hilft auch keine Zwangskopplung an DirectX mehr! (mfi)