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Kommentar zu KI und digitalen Assistenten: Mehr Statistik als Intelligenz

Digitale Assistenten mit künstlicher Intelligenz sollen bald wie Menschen mit uns sprechen. Von richtiger Intelligenz ist in der zugrunde liegenden Technik aber wenig zu sehen, findet c't-Redakteur Johannes Merkert.

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(Bild: Gerd Altmann )

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"Das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz", so heißt ein Buch aus dem Jahr 1993 auf meinem Schreibtisch. Damals stand die KI kurz vor ihrem Durchbruch. Genau wie jetzt.

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Uns Menschen reizt die Vorstellung intelligente Maschinen zu erschaffen, die wie wir bewusst denken. Aber Chatbots, digitale Assistenten und smarte Lautsprecher können nicht denken. Sie konvertieren im Idealfall korrekt was wir sagen in interne Datenformate und berechnen mit diesen Daten nützliche Antworten, die sie sogar aussprechen. Das kommt uns menschlich vor, weil Menschen es erschaffen haben, um menschlich zu wirken. Wer aber mehr als raffinierte Statistiken von seinem Assistenten erwartet, wird unweigerlich enttäuscht.

Die technische Basis des aktuellen Hypes bilden neuronale Netze. Die haben ihren Namen zwar von den Zellen im Gehirn, bilden die Funktion echter Nervenzellen aber nur sehr rudimentär ab. Durch die grobe Vereinfachung lassen sie sich effizient berechnen – aber nur, wenn man sie ordentlich übereinanderschichtet, statt die komplexe Struktur des Gehirns nachzuahmen.

Ein Kommentar von Johannes Merkert

Johannes Merkert schreibt über Programmieren, bastelt Programme, die selbst schreiben, und programmiert Basteleien, um darüber zu schreiben. Seine Projekte sind manchmal nützlich, gelegentlich lehrreich, aber immer irgendwie cyber.

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Was dabei herauskommt, ist ein Algorithmus, der die ungemein praktische Eigenschaft hat, auf fast beliebigen Datensätzen zu funktionieren. Voraussetzung sind nur große Datensätze und genug Rechenleistung um Tausende von Faktoren so zu wählen, damit das Netz aus den Daten die richtigen Ausgaben erzeugt.

Da die Faktoren zu den Trainingsdaten passen sollen, entspricht das Training eines neuronalen Netzes der automatisierten Erstellung komplexer Statistiken. Das ist ein mächtiges Werkzeug um verschiedenste Probleme zu lösen. Beim menschlichen Denken passiert aber weit mehr: Menschen können Dutzende Objekte erkennen und in einen Zusammenhang setzen, Erinnerungen assoziieren, aus den Beobachtungen über die Welt und ihrem Wissen schlussfolgern und allein in ihrem Geist die Zukunft simulieren.

Für all diese Fähigkeiten fehlen aktuellen neuronalen Netzen die Voraussetzungen. Deswegen sollte die Technik hinter den Assistenten statt künstliche Intelligenz (KI) lieber raffinierte Statistik (RS) heißen.

Der aktuelle Hype macht neuronale Netze zum Milliardengeschäft. Auf lange Sicht ist das die beste Voraussetzung, um RS-Algorithmen irgendwann mal wirklich Intelligenz beizubringen. Vom RS-Assistenten im Pixel-Smartphone sollten Sie aber vorerst keine Intelligenz erwarten.

Die Marketing-Abteilung wird das Gegenteil behaupten. Immerhin klingt "Intelligenz" besser als "Statistik". Bis aber ein Smartphone den Turing-Test besteht, wird es noch einige Jahre dauern. (jk)