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Kommentar zu .NET: Die Hölle friert zu

.NET wird Open Source? Das ist nur konsequent. Frameworks für Entwickler müssen heutzutage Open Source sein.

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Die Hölle friert zu – so hätte man noch vor wenigen Jahren den Schritt von Microsoft kommentiert, sein .NET-Framework komplett als Open Source unter MIT-Lizenz zu veröffentlichen. Wer erinnert sich nicht an Steve Ballmers markiges "Linux ist ein Krebsgeschwür" und die Agitation gegen Open Source als innovationsfeindlich, unamerikanisch und rechtlich riskant?

Ein Kommentar von Oliver Diedrich

Oliver Diedrich schreibt seit über 15 Jahren in c't über Linux und Open Source. Als Chefredakteur von heise open ist er für die Berichterstattung zu Themen rund um Open Source auf heise online verantwortlich.

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Aber das ist über zehn Jahre her, und die Welt hat sich seit damals verändert – nicht zuletzt auch durch Open Source. Heutzutage betreibt Microsoft eine Hosting-Site für Open-Source-Projekte, arbeitet am Linux-Kernel mit und unterstützt das Samba-Projekt. Die Redmonder haben ihre Fundamentalopposition längst aufgegeben und veröffentlichen auch immer mehr eigene Software als Open Source. Bislang waren das allerdings vor allem kleinere, eher randständige Projekte im Microsoft-Universum.

Doch .NET unter eine Open-Source-Lizenz zu stellen ist nur konsequent: Frameworks für Entwickler müssen heutzutage Open Source sein. Geld verdient man längst nicht mehr mit dem Framework selbst und den Entwicklungswerkzeugen dafür, sondern mit Services drumrum: App Stores, Schulungen, Support für Entwickler und so weiter und so fort. Apple hat das schon ein bisschen länger verstanden und verdient seit Jahren an jeder iOS-App mit.

Alles, was die Entwicklerwerkzeuge attraktiv macht und Entwickler anzieht, ist daher gut fürs Geschäft. Und Microsoft muss sich um die Attraktivität seiner Plattform durchaus Sorgen machen: Windows-PCs geraten gegenüber iPad und Co. immer mehr ins Hintertreffen, Windows Phone tut sich arg schwer gegen die übermächtige Android-Konkurrenz. .NET als ein leistungsfähiges Entwickler-Framework unter Open-Source-Lizenz könnte Entwickler in die Microsoft-Welt (zurück)bringen – und so die Ökosysteme um die Microsoft-Plattformen stärken, die schon immer die Grundlage des Redmonder Erfolgs waren. (odi)