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Kommentar zu Update-Pannen: Apple versauert

Erst die ständigen Probleme mit El Capitan und nun fehlerhafte Updates, die Rechner über Tage lahmlegen: Mit solchen Pannen verspielt Apple seinen guten Ruf.

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Kommentar: Apple versauert

Apple-Rechner standen bislang im Verdacht, zuverlässiger zu sein als zusammengeschraubte Windows-Kisten. Hard- und Software kommen hier aus einer Hand und sollten eigentlich optimal aufeinander abgestimmt werden können. Deshalb sind die Rechner mit dem Apfel auch gerade in produktiven Umgebungen bei Grafikern und Musikern so beliebt.

Doch seit rund einem halben Jahr zickt OS X mehr herum, als es einem lieb sein kann. Die Misere begann mit dem Update auf OS X 10.11. Mit dem El Capitan genannten System sollte alles besser werden. Keine neuen Funktionen, sondern mehr Sicherheit und Tempo versprach Tim Cook. Doch leider hatte Apple sein neues Sicherheitskonzept ohne die Software-Hersteller geplant, die all die wichtigen Werkzeuge für die tägliche Arbeit programmieren.

Apple baute den USB-Stack um und sperrte kurzfristig AU-Plug-ins aus, die es für dubios hielt. Dumm nur, dass viele Musiker und Produzenten derartige Plug-ins für ihren täglichen Broterwerb benötigen. Die Folge: Hunderte von Programmen liefen nach dem El-Capitan-Update nicht mehr. Fein raus war nur, wer mit dem Update gewartet hatte oder mit seiner Time Capsule die Zeit zurückdrehen konnte.

Vorsichtig wie ich bin, spielte ich El Capitan erst nach dem dritten Update auf, nachdem alle relevanten Hersteller, deren Musik-Hard- und Software ich in meinem Studio nutze, grünes Licht gegeben hatten. Aber das war offenbar immer noch zu früh.

Denn am letzten Wochenende führte ein automatisch aufgespieltes Security-Update zum Produktions-GAU. Nicht nur der Netzwerk-Controller, sondern auch zahlreiche für eine Produktion wichtige Plug-ins verweigerten ihren Dienst. Ihr Kopierschutz meinte plötzlich, ich hätte die Hardware gewechselt. Die Lizenzen ließen sich nicht reaktivieren und da es Wochenende war, reagierte auch der Support erst zwei Tage später.

Als ich letztes Jahr hörte, eine Basketball-Mannschaft sei wegen eines Zwangs-Updates von Windows abgestiegen, dachte ich noch "Pah! Windows! Das kann mir unter OS X nicht passieren." Jetzt lache ich nicht mehr. Denn ein böswilliger Virus, der Lizenzen deaktiviert und einem das Internet ausknipst, hätte auf meinem Mac kaum mehr Schaden anrichten können. Da darf man auf eventuelle Sammelklagen gegen Apple gespannt sein, die von dem Konzern Schadenersatz für zwei Tage Produktionsausfall einfordern.

Als Konsequenz habe ich nun sämtliche Automatik-Installationen von OS X abgeschaltet. Doch nun werde ich wahrscheinlich irgendwann ein wichtiges Update verpassen und ein dahergelaufener Virus – den es unter OS X ja gar nicht geben darf – wird mir vielleicht die Platte verschlüsseln.

Da frage ich mich, warum soll ich für Apple-Rechner künftig noch so viel Geld ausgeben, wenn sie offenbar keinen Deut zuverlässiger sind als die billigeren Microsoft-Kisten, die zudem noch mit deutlich schnellerer Hardware laufen?

Wenn die Firma Apple ihren Status Quo behalten will, darf sie nicht weiter so schlampig mit ihrer Qualitätssicherung umgehen und sie muss vor allem mit den Herstellern der Anwendungsprogramme und Hardware besser zusammenarbeiten. Sonst wird der Apfel bald zu sauer, als dass man ihn weiter runterschlucken mag. (hag)

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