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Kommentar zu zehn Jahren Bitcoin: Vom Finanzrevolutionär zur Umweltsau

Zehn Jahre nach seiner Erfindung muss man das System Bitcoin als gescheitert ansehen, findet Fabian Scherschel.

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Bitcoin: Von der Revolution des Finanzsystems in die Umwelt-Krise

Schlechte Umweltbilanz, fallende Kurse, kaum praktische Anwendungsmöglichkeiten: Es sieht düster aus um den Bitcoin.

(Bild: Pixabay )

Die Idee hinter der Krypto-Währung Bitcoin ist einfach, aber genial: Mit einem verteilten Peer-to-Peer-Netzwerk die Macht der traditionellen Finanzinstitutionen brechen, Verkäufer und ihre Kunden auf digitalem Wege von der Plage der Mittelsmänner befreien und Banken durch Millionen von Gaming-Rechnern ersetzen. Hätte es geklappt, hätte Satoshi Nakamoto den Welthandel revolutioniert. Nach zehn Jahren hat Bitcoin allerdings nichts vorzuweisen als Spekulationsblasen und eine grauenerregende Umweltbilanz.

Ein Kommentar von Fabian A. Scherschel

Fabian A. Scherschel schrieb von 2012 bis 2018 als Redakteur täglich für heise online und c't, zuerst in London auf Englisch, später auf Deutsch aus Hannover. Seit 2019 berichtet er als freier Autor und unabhängiger Podcaster über IT-Sicherheit, Betriebssysteme, Open-Source-Software und Videospiele.

Revolutionär, aber unpraktisch

Dass Nakamotos Vision eines verteilten Transaktions-Registers bahnbrechend war, wird zehn Jahre nach der Veröffentlichung seines Papers wohl niemand mehr abstreiten. Er hat das Konzept des Proof-of-Work nicht erfunden, aber er hat es als Teil der Bitcoin-Blockchain salonfähig gemacht. Bei selbsternannten Tech-Experten und Innovationstreibern gibt es neben dem Begriff der künstlichen Intelligenz heute kaum ein Schlagwort, das so sehr für aufregende neue Technologien steht wie die Blockchain. Nur leider merken viele Beobachter, die wirklich Ahnung von der Materie haben langsam, dass die Bitcoin-Blase außer Hype nicht viel Substanz enthält. Die noch vor einigen Jahren vorausgesagte Revolution an den Ladenkassen ist ausgeblieben. Und der Onlinehandel läuft auch 2019 noch über Lastschrift, PayPal, Kreditkarte und Sofortüberweisung – mit Mittelsmännern, denen Käufer und Verkäufer vertrauen müssen. Also genau so, wie Nakamoto es eben nicht wollte.

Das Bitcoin-Jubiläum

Vor zehn Jahren wurde der erste Block der Bitcoin-Blockchain erzeugt. heise online beleuchtet deshalb das Kryptogeld in einer Reihe von Artikeln.

Das liegt vor allem daran, dass die technische Umsetzung, das eigentliche Bitcoin-Protokoll, zwar genial sein mag, aber leider ziemlich unpraktisch ist. Es dauert viel zu lange, Transaktionen verlässlich in der Blockchain zu publizieren. Das System Bitcoin ist außerdem meilenweit davon entfernt, das Volumen, das der Welthandel zu Stoßzeiten wie an Weihnachten produziert, auch nur ansatzweise verarbeiten zu können. Was dazu führt, dass die Kryptowährung im Alltag eines Verkäufers oder Käufers von Waren quasi nutzlos ist. Und die meisten Verbesserungsansätze, wie etwa die Lightning Networks, flanschen lediglich zusätzliche Technik an das Bitcoin-System an, die meist eher schlecht als recht funktioniert und dabei oft Nakamotos ursprüngliche Idee ad absurdum führt.

Die einzigen, die überhaupt bereit sind, sich im Alltag mit diesen Einschränkungen rumzuschlagen, sind Cypherpunk-Nerds oder Kriminelle. Erstere aus idealistischen Überzeugungen, letztere weil sie hoffen, mittels der Kryptowährung ungestraft Geld bewegen zu können. Und dann gibt es natürlich noch die Spekulanten, die Krypto-Währungen kaufen und verkaufen, um damit irgendwie reich zu werden. Ob das Nakamotos Vision von einem freieren Finanzsystem entspricht, darf man getrost anzweifeln.

Viel Stromverbrauch, wenig Weltrettung

Wer das System Bitcoin und die unzähligen Nachahmer-Währungen, die es losgetreten hat, als Ganzes betrachtet, muss allerdings feststellen: Es kommt alles noch viel schlimmer. Obwohl über Bitcoin und verwandte Währungen, global gesehen, ein verschwindend geringes Zahlungsaufkommen abgewickelt wird, verbrauchen die Mining-Rechner, auf deren Rücken die Blockchain operiert, soviel Energie wie ein kleines Land. Eine Energieverschwendung sondergleichen, die zumindest bei Kohlestrom eben auch Unmengen an Abgasen produziert. Und während Stahlwerke, Kohlekraftwerke und stinkende Dieselmotoren wenigstens einen sinnvollen Zweck erfüllen und die Wirtschaft des Planeten antreiben, verpufft die Rechenleistung hinter der Blockchain größtenteils in sinnlosen Rechenaufgaben, die ein Währungssystem antreiben, das niemand wirklich braucht.

Die Idee mag noch so genial sein und ihr Ziel noch so nobel – wir sind trotzdem an dem Punkt, an dem man sich fragen muss, ob die Realität das Konzept nicht so verbogen hat, dass man besser noch mal von vorne anfängt. Wird es nicht langsam Zeit, die Mining-Rechner abzustellen und stattdessen an einer neuen Idee zu arbeiten, wie wir die Finanzwelt demokratischer und fairer gestalten können?

Mehr zum Jubiläum des Bitcoins lesen Sie hier:

(fab)

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