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Kommentar zum Ende des Gratis-Upgrades auf Windows 10: Das geht besser, Microsoft!

Wenn etwas ganz tolles gratis ist, sollte man meinen, dass es den Leuten nicht aufgezwungen werden muss. Microsoft sah das offenbar anders – und dürfte damit die einen oder anderen aufgeschlossenen Kunden vergrault haben.

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Windows 10
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Heute ist es soweit: Microsofts Aktion, allen Anwendern von Windows 7 und 8.1 gratis ein Upgrade auf Windows 10 zu spendieren, geht zu Ende. Wer von nun an auf Windows 10 umsteigen möchte und das neue System noch nie auf dem PC hatte, soll dafür Geld bezahlen. Doch eine der jüngeren Nachrichten über Windows 10 will nicht so recht dazu passen: Vor einigen Wochen gab Microsoft zu, dass das gesteckte Ziel von einer Milliarde Windows-10-Geräten nach drei Jahren wohl nicht zu erreichen ist. Das ist kaum verwunderlich – vor einem Jahr hatte Microsoft die vor sich hin dümpelnden Marktanteile wohl noch gekonnt ignoriert und ging wirklich davon aus, dass sich die Verkaufszahlen von Windows-Smartphones noch ein wenig berappeln würden. Inzwischen dürfte das System kaum noch zu retten sein: Der viel zitierte "App Gap" weitet sich immer mehr zu einem App Canyon.

Ein Kommentar von Jan Schüßler

Jan Schüßler schreibt seit 2013 bei c't und heise online über Windows 10 und Windows-Praxis-Themen. Außerdem befasst er sich hin und wieder mit Virenscannern, Astronomie-Apps und Audio-Basteleien.

Kaum verwunderlich ist es aber auch aus einem anderen Grund: Microsoft hat ein Jahr lang dermaßen gewaltsam versucht, möglichst alle Nutzer von Windows 7 und 8.1 auf die neue Version umzubiegen, dass der Nutzer sich gezwungenermaßen fragen musste: Wo ist der Haken an diesem Geschenk, dass der Hersteller so zudringlich wird? Zuletzt unterbrach Microsoft den Arbeitsalltag gar mit einer bildschirmfüllenden Warnung vor dem Ende der Gratis-Frist – könnte ja sein, dass der Kunde die bisherigen täglichen Werbungsversuche des Windows-10-Downloaders GWX noch nie wahrgnommen hat...

Das aufdringliche Vorgehen zeigt, dass Lerneffekte bei Microsoft nur langsam einsetzen. Immerhin: Im Betatestprogramm "Windows Insider" können Tester schon während der Entwicklung Kritik und Wünsche äußern und Windows 10 vielleicht sogar ein wenig mitgestalten. Den Testern der "Release Previews" gibt Microsoft oft auch die regulären kumulativen Patches etwas früher, um sie auf Qualität testen zu lassen – aus den Patchday-Debakeln der jüngsten Jahre hat der Konzern offenbar gelernt.

Doch mit Anwendern älterer Windows-Versionen verfährt Microsoft mit voller Überzeugung nach der alten Manier: Bist du nicht willig, so brauch' ich Gewalt. In der Aufforderung von Microsoft-CEO Satya Nadella – "Wir wollen, dass ihr Windows liebt" – hat sich dieser Rückfall ins IT-Mittelalter ja schon angedeutet.

Liebe Chefs und sonstige Entscheider bei Microsoft: Für den Umgang mit euren Kunden dürft ihr euch gerne das Prinzip "Nein heißt nein" zu Herzen nehmen. Zeigt Ihnen, dass ihr sie respektiert und versucht wenigstens, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen. Ich hätte da einen Vorschlag: Schafft GWX ab und entfristet das Gratis-Angebot. Dann könnte in Zukunft jeder, der Windows 7 oder 8.1 benutzt, die freie Entscheidung treffen, ob er seine Lizenz stattdessen lieber mit Windows 10 verwenden möchte. Lasst allen den Weg offen, die in der letzten Zeit, oft aus guten Gründen, noch nicht bereit für den Umstieg waren. Vielleicht würden dann ein paar weniger Anwender aus Prinzip bei Windows 7 bleiben oder einen reflexhaften Ausweichschritt in Richtung Linux machen – und stattdessen dem eigentlich gar nicht mal so schlechten Windows 10 eine Chance geben.

Windows 10: Erste Schritte nach dem Upgrade (10 Bilder)

Im ersten Schritt melden Sie sich mit dem Konto an, das Sie auch im vorherigen Betriebssystem benutzt haben. (Legende: Grün – hier klicken; Rot – hier anpassen)

Windows 10: Der Windows-Downloader GWX (10 Bilder)

Wenn das GWX-Programm nie auf dem Rechner installiert wurde, müssen Sie es erst reaktivieren. Aktivieren Sie hierzu in Windows Update unter "Ausgeblendete Updates anzeigen" die Häkchen neben den Updates KB3035583 und KB306708. Danach lassen Sie Windows erneut nach Updates suchen.

(jss)

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