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Kommentar zum Galaxy Note 7: Nach der Image- kommt die Umweltkatastrophe

Samsung will 2,5 Millionen Note7 nicht upcyclen, sondern komplett entsorgen. Damit vergibt der Konzern eine weitere Chance, im Drama um das defekte Smartphone etwas richtig zu machen, findet Nico Ernst.

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Samsungs Galaxy Note 7: Nach der Image- kommt die Umweltkatastrophe

(Bild: Tham Hua)

Es scheint, als wolle Samsung die Affäre um das brandgefährdete Smartphone Note7 möglichst schnell beerdigen – und die Geräte gleich mit. Der Tech-Site Motherboard sagte ein namentlich nicht genannter Sprecher des Unternehmens: "Wir haben einen Prozess vorbereitet, um diese Telefone sicher zu entsorgen."

Wie das ablaufen soll, verrät Samsung nicht. Da es immer noch keine genaue Erklärung zur Ursache des Abbrennens des Akkus vom Hersteller des Geräts gibt, wird wohl auch der Weg der Entsorgung im Dunkeln bleiben. Dabei mehren sich auch außerhalb der Technikmedien die Stimmen, Samsung möge sich in der Sache endlich ehrlich machen. Dass immerhin die Akkus vor der Entsorgung entfernt werden, darf man somit nur hoffen – und selbst, wo diese bleiben, ist bisher noch unklar.

Nun also der nächste Akt im Drama – das Flaggschiff-Smartphone, vollgestopft mit modernster Technik, wird in Gänze verschrottet. Dabei stecken darin zahlreiche Komponenten, die sich sinnvoll weiter verwenden ließen. Aus 2,5 Millionen bisher hergestellten Note7 ließen sich auf Basis des Displays mit 2.560 x 1.440 Pixeln auch ebenso viele VR-Brillen herstellen, und aus der Hauptplatine auch 2,5 Millionen Set-Top-Boxen, die ein FireTV schwindlig rechnen. Natürlich müsste Samsung dafür Geld ausgeben, die Telefone gründlich zerlegen oder gleich selbst aus den Bauteilen neue Geräte herstellen und diese auch unterstützen. Wenn das zu teuer ist – und das sollte es für die Pflege des schwer angeschlagenen Images nicht sein – dann wäre immer noch einiges anderes möglich.

Ein Smartphone wird aus den Note7 wohl nicht mehr, allenfalls eines mit geringer Laufzeit, wenn ein schwächerer Akku und eine andere Ladelektronik eingebaut werden. Warum dann die Geräte nicht auf stationäre Versorgung umrüsten, um sie Android- und App-Entwicklern kostenlos zur Verfügung zu stellen? All das wäre besser, als weitere 420 Tonnen Elektroschrott zu produzieren. Denn das ist das Gesamtgewicht aller hergestellten Note7, Netzteil und Verpackung nicht mit eingerechnet. Für jedes Smartphone, so eine Schätzung der Ingenieursvereinigung IEEE aus dem Jahr 2013, werden rund 75 Kilogramm Rohstoffe benötigt. Samsung wirft also gerade 187.500 Tonnen Ressourcen auf den Müll.

Dass die Bestätigung der Verschrottung nur einen Tag nach dem endgültigen Produktionsstopp und dem Rückruf aller Note7 kommt, passt in das Bild, das Samsung in der Angelegenheit bisher abgegeben hat. Was nach schnellen, sinnvollen Entscheidungen bei einem Designfehler aussehen sollte, hat sich als kopfloses, überstürztes Handeln im Panikmodus eines Unternehmens erwiesen. Nun sollen die Note7 möglichst schnell verschwinden, irgendwie. Perfiderweise produziert Samsung damit auch ein begehrtes Sammlerstück, von dem sicherlich noch einige weitere in Rauch aufgehen werden. Viele Note-Fans hätten das aktuelle Modell vielleicht zurückgegeben, wenn sie sicher wären, dass damit noch etwas Sinnvolles geschieht.

Vergessen machen solche Taktiken einen Fehlschlag eines Technikunternehmens nicht. Manchmal tauchen die Sünden der Vergangenheit auch 30 Jahre später wieder auf. (Nico Ernst) / (kbe)

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