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Kommentar zum Microsoft-Patchday: Wer frickelt hier?

Microsofts Auto-Updates werden zur Problemquelle. Verglichen mit dem Service für Linux und Anwendungen reichlich unprofessionell, findet Peter Schüler.

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Regelmäßige Hersteller-Updates wirken auf den Zoo meiner physischen und virtuellen Laborrechner wie ein Jungbrunnen. Doch ausgerechnet die Windows-Maschinen, für deren Wohlergehen Microsoft extra den Patchday erfunden hat, können in diesem Jungbrunnen jämmerlich ersaufen. Während die Updates unter Linux gleichzeitig System und Anwendungen auf dem neuesten Stand halten, machen sie unter Windows zuerst Arbeit ohne Ende, um dann noch nicht einmal zu helfen. Was Microsoft zuletzt mit den vergurkten Patchdays abgeliefert hat, ist höchst unprofessionell. Und das darf sich ein Anbieter, dessen Produkte vor allem höchste Ansprüche für den professionellen Einsatz erfüllen sollen, nicht leisten.

Ein Kommentar von Peter Schüler

Peter Schüler testet seit 15 Jahren Anwendungssoftware für c't – vorwiegend solche, die man fürs Geschäftliche braucht. Dabei sind kommerzielle Lizenzpakete oft anders zu bewerten als Gratis-Downloads und Freemium-Webdienste für den Hobby-Bereich. Hier geht es auch um Zusatzkosten für Verwaltung, Support, Schulung und Sicherheit.

Die breitärschigen Updates hinterlassen regelmäßig Platzfresser auf den Systempartitionen. Irgendwann wird dann selbst eine großzügig angelegte Installation unbrauchbar, weil das C:-Laufwerk zu voll zum Booten ist. Will ich wenigstens die überholten Alt-Patches auf ein anderes Laufwerk schieben, muss ich mir selbst als Administrator erst passende Schreibrechte für die Binaries beschaffen. Noch mehr Platz ließe sich freieisen, wenn ich auch die in X Landessprachen ausgefertigten EULAs beseitigen könnte. Aber die sichert Microsoft gerne mit ganz besonders störrischen Permissions. Wenigstens in dieser Hinsicht sind die Updates stabil wie die Alpen.

Was den ursprünglichen Zweck angeht, erscheinen mir die Nachbesserungsversuche aus Redmond zunehmend unprofessionell. Dass Microsoft selbst seit Monaten bekannte Sicherheitslücken immer wieder mal unberücksichtigt lässt, könnte ich mir ja noch mit verkorksten Code-Abhängigkeiten und entsprechenden Lösungsproblemen erklären. Dass aber die veröffentlichten und zur automatischen Anwendung empfohlenen Patches auch auf Serversystemen zu unannehmbaren Funktionsausfällen führen, sollte sich doch bei einer ernsthaften Qualitätssicherung vermeiden lassen, oder?

Mindestens vier stillschweigend nachgebesserte oder zurückgezogene Updates zum aktuellen Dezember-Patchday beweisen mir das Gegenteil. Die Patzer sind zwar keine Premiere, aber in ihrer Häufigkeit doch ein neues Microsoft-Highscore. Fast könnte man sagen, Windows läuft zuverlässiger ohne die Fürsorge des Herstellers. Wäre es nicht so einladend für die Gangsterszene im Internet, müsste man beinahe anregen, das jeweils angekündigte End of Service seines Betriebssystems selbst vorzuverlegen.

Dagegen lobe ich mir die Linux-Mechanismen: Das Betriebssystem aus den Federn eines wilden Haufens unterschiedlicher Entwickler erfährt durch die Paket-Datenbänke der Distri-Pfleger ebenso zuverlässige Updates wie praktisch alle installierten Anwendungen. Nach meinen langjährigen Beobachtungen läuft das mehr oder weniger unbemerkt im Hintergrund und macht nie Ärger. Die angebliche Frickler-Gemeinde aus dem Pinguin-Land sollte doch eigentlich viel, viel schlechtere Startbedingungen für eine einheitliche Softwarepflege bieten, doch angesichts meiner "Anwender-Erlebnisse" mit Microsoft frage ich mich: In welchem der beiden Software-Universen wird denn nun schlimmer gefrickelt? (hps)

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