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Kommentar zum Netflix-Exodus: Der Trend geht zum Drittabo

Disney streicht Filme von Netflix, AT&T und Time Warner ziehen wohl nach. Für Filmfans ist das ein Schlag ins Gesicht, meint Daniel Herbig.

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Videoportale: EU-Parlament schreibt Netflix & Co. 30 Prozent europäische Werke vor

(Bild: REDPIXEL.PL/Shutterstock.com)

Netflix galt mal als die Referenz im Streaming-Markt für Filme und Serien. Doch die dicken Jahre sind vorbei: 2019 wird Disney seine Inhalte von Netflix abziehen, um eine eigene Plattform zu starten – das betrifft Blockbuster wie die Marvel-Filme und das "Star Wars"-Franchise. Auch AT&T und Time Warner sowie Comcast machen künftig lieber ihr eigenes Streaming-Ding. Für Filmfans ist das eine schlechte Nachricht.

Ein Kommentar von Daniel Herbig

Daniel Herbig ist bei Prime Video und bedarfsgesteuert immer mal wieder bei Netflix. Er wünscht sich ein echtes Spotify-Pendant für Filme und Serien.

Das große Netflix-Versprechen ist schon lange gescheitert. Jeder Film, jede Serie, jederzeit auf Abruf? Fehlanzeige. Schon jetzt braucht es Suchmaschinen, um herauszufinden, welcher der zig Streaming-Dienste den gewünschten Inhalt denn gerade im Angebot hat – Netflix, Amazon, Maxdome oder doch Youtube? Das wird nicht dadurch besser, dass noch mehr Anbieter ihr eigenes Süppchen kochen.

Wer im versprengten Filmstreaming-Markt den cineastischen Überblick behalten will, braucht eigentlich spätestens ab dem kommenden Jahr mehrere Abos – zwei mindestens, vielleicht sogar drei oder vier. Die Marvel-Streifen guckt man dann eben bei Disney, die Herr-der-Ringe-Serie bei Prime Video und die dritte Staffel Stranger Things bei Netflix. Für den Tatort vielleicht noch MagentaTV? Das wird teuer.

Oder man macht es ganz anders und lässt schicksalergeben die Inhalte auf sich einprasseln, die eben gerade auf der bevorzugten Plattform verfügbar sind. Die kürzlich in Deutschland gestartete Videoplattform Pluto TV macht das mit ihren linearen Streaming-Sendern sogar zum Verkaufsargument. Da wird es jetzt allen Ernstes als Vorteil angepriesen, dass man Filme, Serien und Dokus nicht mehr aus einem großen Katalog suchen muss, sondern sie kontinuierlich kredenzt bekommt. Es grüßt das Schreckgespenst des linearen Fernsehens, wie gruselig. Das kann auch nicht die Lösung sein.

So schadet das größenwahnsinnige Gezanke der Mediengroßunternehmen unausweichlich gerade den anspruchsvollen Filmguckern, die sich eben nicht wahllos berieseln lassen wollen. Höchste Zeit also, ein Zeichen zu setzen! Nur: Bei so vielen Streaming-Diensten, welchen boykottiert man eigentlich am besten? (dahe)

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