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Kommentar zur Zeitumstellung: Super, endlich mehr Uhren umstellen in Europa

Millionen Europäer fordern ein Ende der Zeitumstellung und die dauerhafte Sommerzeit: Kein Wunder, waren ja auch vor allem Deutsche, kommentiert Martin Holland.

Kommentar zur Zeitumstellung: Super, endlich wieder mehr Uhren umstellen in Europa

(Bild: Skitterphoto)

Na toll, jetzt haben wir den Salat. Da wird einmal eine Onlineumfrage ernst genommen und schon steht Europa vor einer weiteren Zerreißprobe. Der EU-Kommissionspräsident will die Zeitumstellung abschaffen und die Sommerzeit dauerhaft einführen. Das dürfte aber schwieriger werden, als Jean-Claude Juncker sich das denkt.

Verstehen Sie mich nicht falsch, natürlich ist es richtig, wenn die Politik auf Stimmungen Rücksicht nimmt. Das sollte aber nicht heißen, ihnen jederzeit einfach zu folgen: Man könnte das eigene Handeln auch einfach mal besser erklären oder darauf hinweisen, welche Konsequenzen ein populärer Wunsch haben würde. Bei dem Umgang mit unserer Zeit ist das genauso.

Die Europäer wurden gefragt, ob sie die Zeitumstellung abschaffen wollen. Angesichts der immer wiederkehrenden Diskussionen ist das nachvollziehbar; und dass Gegner besser mobilisieren, ist nicht neu. Gute Gründe haben sie und wenn sich länderübergreifend eine Mehrheit dafür finden würde, kann man dem sicher nachkommen, fast 5 Millionen sind da schon eine starke Hausnummer. Der zweite Teil der Umfrage ist der, mit dem ich ein Problem habe, nämlich die Frage nach jener Zeit, die dann dauerhaft gelten sollte: Die Sommerzeit oder die "Winterzeit".

Natürlich wünscht sich hier die Mehrheit eine dauerhafte Sommerzeit, klingt doch auch viel besser. Das hat was Warmes, Helles und Angenehmes, nicht so kalt und verregnet wie der Winter. Es ist doch kein Zufall, dass der Sommerurlaub immer länger dauert als der Winterurlaub, Sommergewitter was schönes sind und immer nur die Sommerhits des Jahres gekürt werden. Würde die SPD künftig als Sommer-Partei Deutschlands antreten, bekäme sogar sie sicher direkt 10 Prozent mehr.

Das Problem ist aber: Die Sommerzeit ist die hinzugefügte, die Normalzeit haben wir im Winter. Dann erreicht die Sonne gegen Mittag ihren Höchststand, Vormittag und Nachmittag sind etwa gleichlang. Das gilt in Europa zwar schon jetzt vor allem für Deutschland. In anderen Ländern, die sich mit uns die Zeit teilen, sieht das ganz anders aus. Krassestes Beispiel ist dabei wohl Spanien: In A Coruña etwa ging die Sonne heute kurz vor 8 Uhr auf, anderthalb Stunden später als in Hannover. Bei einer dauerhaften Sommerzeit wäre es dort im Winter erst kurz vor 10 Uhr so weit, übrigens genauso wie im französischen Le Havre.

Das werden unsere westlichen Nachbarn sicher nicht mitmachen und schon haben wir wieder eine Spaltung mehr in Europa, vor allem Spanien und Frankreich dürften bei ihrer jetzigen Normalzeit bleiben. Würden sie sich für ihre eigentliche Zeitzone entscheiden, würde der Zeitunterschied zu Deutschland sogar zwei Stunden betragen.

Das Thema jedenfalls ist ein regionales beziehungsweise nationales und eine Umfrage, an der vor allem Deutsche teilnehmen, sollte auch dementsprechend eingeordnet werden. Natürlich wäre es für hiesige Langschläfer schöner, wenn es ganzjährig abends länger hell bliebe. Andere EU-Staaten in Ost und West haben jedoch ganz andere Wünsche und es bleibt zu hoffen, dass sie trotz Junckers Schnellschuss noch gehört werden. (mho)

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