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Kommentar zur Zuckerberg-Anhörung: Die falsche Sprache für Facebook

Mark Zuckerberg hat im Europaparlament viele Fragen einfach ausgesessen. Vielleicht liegt Facebooks geringe Auskunftsfreudigkeit in eigener Sache ja an der Ansprache, vermutet Jo Bager. Er hat da einen Vorschlag.

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Zuckerberg-Anhörung: Falsche Sprache

Mark Zuckerberg im US-Kongress.

(Bild: dpa, Andrew Harnik/AP)

Jetzt sind wieder viele Beobachter enttäuscht von Zuckerbergs Aussagen vor den EU-Parlamentariern. Der Facebook-Chef habe viel zu wenig Fragen beantwortet, und zwar viel zu unkonkret.

Dabei war genau das zu erwarten. Es entspricht der Kommunikationsstrategie des Unternehmens, das mit der Vermarktung der privaten Daten von zwei Milliarden Menschen sein Geld verdient, möglichst wenig über sich selbst preiszugeben. Journalisten machen seit vielen Jahren genau diese Erfahrung mit Facebook: Auf konkrete Nachfragen wird man mit allgemeinen Floskeln abgespeist – oder mit Links in die Facebook-Hilfeseiten. Offenheit wird allenfalls simuliert.

Manchmal werden irgendwelche Manager losgelassen, etwa der Europa-Cheflobbyist Richard Allen. Die beteuern dann, dass man Fehler gemacht habe, aber alles nicht so schlimm sei und geloben Besserung. Tiefer gehende Informationen, Zusagen? Regelmäßig Fehlanzeige. Als Ende März Justizministerin Barley vor dem Hintergrund des Datenskandals um Cambridge Analytica Facebook-Abgesandte einbestellte, konnte sie denen nur die Aussage abtrotzen, die Forderung nach mehr Transparenz bei Facebooks Algorithmen "wohlwollend zu prüfen". Später zeigte sie sich dann von Facebook ge- und enttäuscht.

Wenn es hart auf hart kommt, muss der Zuckerberg selber ran, etwa bei den Unterredungen im US-Senat und Repräsentantenhaus und jetzt im EU-Parlament. Aber auch dann kam bislang wenig dabei heraus: Die amerikanischen Politiker hatten sich teils schlecht auf die Befragungen vorbereitet, die Europäer haben ihm mit ihrem Gesprächsformat die Möglichkeit gelassen, sich die Fragen herauszupicken, die er beantworten wollte. Und Zuckerberg hat jede Möglichkeit zu mauern genutzt, die er nutzen konnte.

Der Kommunikationsriese Facebook hat ein echtes Kommunikationsproblem in eigener Sache. Obwohl das Riesennetzwerk mittlerweile eine wichtige gesellschaftliche Rolle spielt, will es immer noch nicht mit offenen Karten spielen – nicht einmal gegenüber höchsten politischen Kreisen.

Vielleicht ist es ja die falsche Sprache, in der man mit Facebook spricht. Am morgigen Freitag wird die DSGVO wirksam und mit ihr sehr harte Sanktionsmöglichkeiten gegenüber Unternehmen, die gegen die neuen europäischen Datenschutzstandards verstoßen. Bis zu vier Prozent des weltweiten Jahresumsatzes können bei Verstößen etwa gegen das Transparenzgebot verhängt werden. Vielleicht ist das ja die Sprache, in der man mit Facebook kommunizieren muss. Datenschützer, enttäuscht mich nicht! (jo)

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