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Kommentar zur iPhone-Entsperrung: Apples rote Marketing-Linie

Kunden, Forenkommentatoren und Aktivisten mögen Apples Entscheidung, das iPhone eines Terroristen nicht zu knacken, ruhig beklatschen. Dahinter steckt aber eine nicht mal clevere, sondern zum Überleben des Konzerns notwendige Marketing-Strategie.

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(Bild: dpa, Peter Kneffel)

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Apple-Chef Tim Cook legt sich in einem offenen Brief mit dem FBI an. Die US-Bundespolizei hat verlangt, dass Apple das iPhone des Attentäters Syed Rizwan Farook entsperrt, und eine richterliche Anordnung erwirkt. Dieser hatte im vergangenen Dezember zusammen mit seiner Frau bei einem Anschlag im kalifornischen San Bernadino 14 Menschen getötet. Das FBI vermutet in dem Smartphone Daten, die IS-Hintermänner von Farook enttarnen könnten.

Die Entscheidung, sich einer richterlichen Anordnung zur Aufklärung eines so feigen Anschlags zu widersetzen, mag Tim Cook wohl nicht leicht gefallen sein. Er mahnt in seinem Schreiben förmlich vor dem Öffnen der Büchse der Pandora, denn ein geknacktes iPhone käme dem Verlust der Sicherheit von allen iOS-Geräten gleich. Was Cook dort nicht sagt: Das Vertrauen seiner Kunden ist eine der wichtigsten Grundlagen für den Erfolg seines Unternehmens. Und die würde er durch einen Hack auch nur eines eigenen Produkts verlieren.

Apple hat sich in den vergangenen Jahren mehr als redlich bemüht, sein wichtigstes Gerät nicht nur benutzerfreundlich, sondern auch sicher aussehen zu lassen.

Man mag lange darüber diskutieren, ob Funktionen von Fingerabdruck-Scanner bis Selbstzerstörung der Daten nach mehrmaligem Falscheingeben der PIN tatsächlich wirksam sind – oder ob andere US-Behörden wie die NSA nicht längst Gegenmaßnahmen kennen. Wissen kann das nur ein Mitglied der "Intelligence Community" der USA. Denn als Gemeinschaft verstehen sich die Bundesbehörden dort durchaus.

Entscheidender ist, sich mit dem auseinanderzusetzen, was Tim Cook nun demonstriert: Das iPhone, dessen Absatzzahlen im laufenden Quartal nun nicht mehr steigen sollen, gilt es unbedingt zu schützen. 68 Prozent des gesamten Umsatzes von Apple werden durch Verkäufe von iPhones erzielt. Gilt dieses Gerät nun trotz aller Bemühungen nicht mehr als sicher, hätte das Unternehmen herbe Einbußen hinzunehmen – mindestens.

Aus der Abhängigkeit vom iPhone ergibt sich aber auch eine gute Nachricht: Tim Cook hat sich mit der Verteidigung seiner Cash-Cow nun so klar festgelegt, dass er diese Strategie wohl nun auch durch alle Instanzen der US-Justiz durchfechten wird. Die Diskussion um den seit den späten 1990er Jahren nur noch schwelenden Crypto War könnte dazu führen, dass die Entscheidung zwischen vermeintlicher innerer Sicherheit und dem menschlichen Bedürfnis nach Datenschutz und Privatsphäre in den USA endlich höchstrichterlich gefällt wird. (Nico Ernst) / (axk)

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