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Konsolidierung im TLD-Markt: .reise geht an US-Gigant Donuts

Die Marktkonsolidierung hat begonnen. Mit .reise wurde nun die erste schon gestartete neue Internetendung versteigert. Sie geht an Donuts, den ehemaligen Konkurrenten und mit Abstand größten Player des TLD-Geschäfts.

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Konsolidierung des TLD-Marktes: .reise geht an US-Gigant Donuts

(Bild: Screenshot)

Die Branchen-Endung .reise wird den Besitzer wechseln. Der ehemalige deutsche Betreiber hat sie am Freitag versteigern lassen, als erste schon in Betrieb befindliche neue Top Level Domain (TLD). Die von Branchenvertretern erwartete Marktkonsolidierung hat also mit einer deutschen TLD begonnen. Bei bisherigen Auktionen wurden nur Endungen vor der Vergabe unter den verschiedenen Bewerbern versteigert.

Um drei neue Top Level Domains hatte sich der Unternehmer Axel Schwiersch ursprünglich bei der Internetverwaltung ICANN beworben, mittlerweile ist nur noch eine übrig geblieben. Den Antrag um .immo zog er schon im Sommer 2014 nach einer Privatauktion zurück. Es verblieben ihm zwei Endungen: .reise startete am 06. August, .versicherung am 16. September.

Bei der Reise-Endung hatte Schwiersch unerwartet Pech gehabt: der US-amerikanische TLD-Gigant Donuts hatte sich die fast namensgleiche Endung .reisen gesichert. Während es sich bei der Donuts-Endung um eine beliebiges Standardkonzept handelte, hatte sich Schwiersch um eine enge Anbindung an die deutschsprachige Reisebranche bemüht. Es gibt einen Expertenbeirat mit Angehörigen der Branche, und die Inhaber von Domains müssen auf Nachfrage einen Bezug zur Tourismuswirtschaft nachweisen können.

Der US-Wettbewerber ging unter besseren Bedingungen an den Start: aufgrund eines günstigeren Platzes bei der Los-Ziehung der ICANN konnte .reisen zwei Wochen eher starten. Zudem hat Donuts die Webadressen deutlich billiger angeboten. Eine .reise-Domain kostete beispielsweise bei United Domains jährlich 149 Euro, eine .reisen-Adresse hingegen nur etwa 29 Euro. Im Ergebnis entschieden sich die Nutzer mehrheitlich für die Donuts-Endung. Während es nach Angaben des Branchendienstes nTLDStats zur Zeit etwa 4.100 .reisen-Adressen gibt, sind es bei .reise nur etwas über 1.300.

Die nun angesetzte Auktion von .reise war nur knapp auf dem Blog des Auktionshauses ApplicantAuction angekündigt worden, hatte sich aber schnell in der TLD-Branche herumgesprochen. Es hatten sich vier Bieter beteiligt. Donuts ging als Sieger hervor. Die Höhe des Gewinner-Betrags unterliegt einer Geheimhaltungsvereinbarung, das Mindestgebot betrug aber 400.000 US-Dollar. Da es sich um eine private Auktion handelt, wird der Betrag nicht an die ICANN gezahlt, sondern unter den unterlegenen Bietern aufgeteilt.

Donuts ist mit ursprünglich 307 Bewerbungen der große Zampano des globalen TLD-Geschäfts. Das US-Startup hatte 100 Millionen US-Dollar an Risikokapital aufgenommen und in einer zweiten Kapitalrunde noch einmal einen unbekannten Betrag, der sich aber nach Andeutungen von Donuts in etwa der gleichen Höhe bewegt. Das zusätzliche Geld soll vor allem dazu dienen, bei umkämpften TLDs mitbieten zu können.

Zur Zeit gehören dem US-Portfolio-Betreiber mindestens 150 TLDs, die schon gelauncht sind oder für die schon Startdaten bekannt gemacht wurden. Darunter sind vor allem Endungen aus den verschiedensten Branchen, etwa .villas oder .restaurant. In Deutschland betreibt Donuts die Endungen .reisen und das nur mäßig erfolgreiche .schule. Ob auch die TLD .gmbh nach der Auktion in der vergangenen Woche zum Portfolio zählt, ist noch unklar. (Stefan Mey) / (mho)

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