Menü

Kontroverse Pläne: Werbeblockern droht in Chrome das Aus

Eine geplante Änderung von Chromes Schnittstelle für Browser-Erweiterungen bedroht AdBlock, uBlock und andere Adblocker. Das gibt Anlass für massive Kritik.

Lesezeit: 1 Min.
In Pocket speichern
vorlesen Druckansicht Kommentare lesen 667 Beiträge
Von

Mit einer geplanten Änderung an der Erweiterungsschnittstelle haben die Chrome-Entwickler massive Kritik auf sich gezogen. Der Entwurf sieht vor, die Möglichkeiten einer Erweiterung zum Blockieren von Inhalten einzuschränken – was die Existenz von Werbeblockern und Sicherheits-Erweiterungen infrage stellt. Von der Änderung betroffen wären außer Chrome vermutlich auch weitere Browser auf Chromium-Grundlage wie Opera oder demnächst Microsoft Edge.

Browser-Erweiterungen haben ziemlich weitgehende Rechte. Das macht sie zu einem Risiko: Sowohl kriminelle Energie (1, 2, 3) als auch Leichtsinn der Erweiterungsentwickler gefährden die Anwender zu Hunderttausenden. Google reagierte auf das Problem, indem es die Installation von Erweiterungen nur noch über den Chrome Web Store zulässt – und ein seit vergangenen Herbst geplantes Update der Erweiterungsschnittstelle soll die Privilegien von Erweiterungen zurechtstutzen.

"Die aktuelle Erweiterungsplattform hat etliche Probleme auf den Gebieten Performance, Sicherheit, Datenschutz und Ergonomie", erklärt Google im Entwurf zur neuen Manifest-Spezifikation. Das Manifest ist ein Dokument im Code jeder Erweiterung, welches unter anderem die benötigten Privilegien anfordert. Wer eine Beta- oder Entwicklerversion von Chrome benutzt, kann die neue Schnittstelle bereits testen.

Für Kontroversen sorgt das "declarativeNetRequest"-API, welche das Blockieren der von einer Webseite angeforderten Inhalte regulieren soll – das zentrale Feature vieler äußerst populärer Erweiterungen wie Werbeblockern und Sicherheits-Erweiterungen. Diese nutzten bisher das "webRequest"-API für ihre Zwecke. Anders als dieses macht das neue API klare Vorgaben, wie die Blockaderegeln aussehen müssen. Ähnlich wie in den von Adblock Plus verwendeten Listen bestehen sie aus Suchmustern wie "abc*d".

Für Erweiterungen wie uBlock Origin oder uMatrix wäre dies das Aus, klagt deren Entwickler: Diese arbeiten nicht einfach Listen ab, sondern arbeiten vom Nutzer gesetzte Regeln ab. Andere Entwickler schlossen sich ihm an. Auch Adblock Plus könnte mit dem neuen API nicht arbeiten, weil die Blocklisten auf 30.000 Einträge beschränkt sind – weniger als die Hälfte der beliebten "EasyList".

Einen anderen Vorwurf erhebt Daniel Glazman, ein bekannter Entwickler aus dem Mozilla-Umfeld: Die Erweiterungsschnittstellen der unterschiedlichen Browser haben sich weitgehend angeglichen – Googles einseitiger Vorstoß würde die Bemühungen um eine Standardisierung zurückwerfen.

Der Verdacht liegt nahe, dass das weitgehend werbefinanzierte Unternehmen Google, das vor einem Jahr selbst einen eher schwachen Werbefilter in Chrome eingebaut hat, sich unliebsame Erweiterungen vom Hals schaffen will, die dem eigenen Geschäft schaden. Noch scheint die Sache aber nicht entschieden zu sein, denn im Entwurf der Dokumentation heißt es, dass "declarativeNetRequest" das "primäre Content-blockierende API" werden solle, aber dass es wahrscheinlich nicht für "100% aller Anwendungsfälle" genügen werde, sodass "wir vermutlich in irgendeiner Form 'webRequest'-Funktionalität erhalten müssen". (dbe)