Kopierschutz Denuvo 4 außer Kontrolle: Millionenfache Abfragen senken Spielperformance

Das Spiel Rime nutzte den Denuvo-4-Kopierschutz und wurde trotzdem nach wenigen Tagen geknackt. Der Cracker macht Denuvo nun große Vorwürfe – die Anzahl der Abfragen würde die Performance verringern.

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Der Denuvo-Schutz für das Spiel Rime hielt nur wenige Tage.

(Bild: Steam)

Von
  • Martin Fischer

Zwei bis drei Wochen dauert es, so schätzten die Entwickler des Denuvo-geschützten Spiels Rime, bis Cracker diesen Schutzmechanismus aushebeln. Dann wolle man eine Denuvo-freie Version anbieten, so das Versprechen der Entwickler. Schlussendlich dauerte es nur wenige Tage, bis der "Rime.v1.0.Crack.V3.by.BALDMAN" erschien. Die Entwickler äußerten sich nun auf Steam – Nutzer sollen ihr Spiel updaten, so werde der Denuvo-Kopierschutz entfernt.

Doch das ist nicht das Ende der Rime-Geschichte, denn auch der Cracker "Baldman" äußerte sich zur im Spiel verwendeten Denuvo-Version 4+. Er rief Spieler zum Kauf des "superschönen Spiels" auf, kritisierte Denuvo jedoch als "riesige Abscheulichkeit". Denn die neue Version nutze eine besonders hohe Anzahl von Abfragen, was der Grund für den vergleichsweise langen Spielstart und die hohen Ladezeiten sei. "In Spielen wie Sniper: Ghost Warrior 3, Nier Automata und Prey gab es nur rund 1000 Abfragen (Triggers), hier dreihundert Mal so viele", erklärt Baldman laut der Online-Seite Torrentfreak, die sich wiederum auf die Crack-Infodatei beziehen, welche etwa im US-amerikanischen Forum Reddit einsehbar ist. Innerhalb von 30 Minuten Spielzeit hätte Denuvo 4 laut Baldman zwei Millionen Abfragen durchgeführt.

Diese Behauptungen sind Wasser auf die Mühlen der Denuvo-Kritiker, die durch den Einsatz des Schutzmechanismus' Performance-Einbußen befürchten. "Jede einzelne Sekunde führt der Kopierschutz zwischen 10 und 30 Abfragen durch, was das Spiel verlangsamt. In Spielen wie Sniper: Ghost Warrier 3, Nier Automata und Prey waren es nur 1 bis 2 Trigger alle paar Minuten." Die Abfragen sollen laut Baldman auch noch über eine verschleierte, virtuelle Maschine laufen, was die Performance weiter beeinträchtige.

Für die österreichische Firma Denuvo ist das Aushebeln ihrer neuesten Kopierschutzversion dagegen eine herbe Niederlage. Denuvo galt bis ins Jahr 2016 hinein als der effektivste Kopierschutz, manche in der Cracker-Szene befürchteten schon ein Ende von kopierschutzfreien Spielen. Doch auch diesmal fanden Cracker einen Weg – und so verringerten sich die Abstände bis zum Erscheinen funktionierender Cracks immer weiter. So wurde etwa nicht nur der Kopierschutz von Doom umgangen, auch für die Spiele Tomb Raider, Deus Ex Mankind Divided, Watchdogs 2 und Resident Evil 7 erschienen Cracks.

Rime (12 Bilder)

Am 26.05.2017 erschien mit Rime ein atmosphärisches Rätsel-Adventure in...
(Bild: Steam)

Technisch gesehen ist Denuvo selbst kein reiner Kopierschutz an sich, sondern sichert vielmehr Schutzmechanismen von Steam oder Origin ab. Dazu implementiert Denuvo im Programmcode des Spiels an zufälligen Stellen Prüfabfragen (Trigger) – Cracker scheiterten in der Anfangszeit daran, diese aufzuspüren. Verkompliziert wurde diese Arbeit, da die Abfragen bei jedem Spiel an anderen Stellen und mit anderer Quantität auftraten. (mfi)