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Kopierschutz Denuvo schlägt bei DMC5 auf die Performance

Der Kopierschutz Denuvo steht im Verruf, die Performance von Spielen zu verschlechtern. Benchmarks von DMC5 zeigen: Das stimmt – ist aber kaum bemerkbar.

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Kopierschutz Denuvo schlägt bei DMC5 auf die CPU-Performance

(Bild: Capcom)

Der umstrittene Kopierschutz Denuvo verschlechtert die Performance beim kürzlich erschienenen Actionspiel Devil May Cry 5. Das zeigen Benchmarks von Nutzern und Fachmagazinen, die mit einer versehentlich auf Steam veröffentlichten Fork von DMC5 ohne Denuvo durchgeführt wurden. Die ungesicherte Version von DMC5 ermöglichte den direkten Performance-Vergleich mit der Denuvo-gesicherten Standard-Variante.

Denuvo ist kein reiner Kopierschutz, sondern ein sogenanntes Anti-Tampering-System Es platziert im Programmcode zufällige Prüfabfragen, die die Schutzmechanismen von Plattformen wie Steam oder Origin absichern sollten. Diese Abfragen stehen im Verdacht, die CPU zusätzlich zu belasten. Bei DMC5 berichten Nutzer nun von Performance-Differenzen von bis zu 20 Frames pro Sekunde zwischen der Denuvo- und der ungesicherten Variante.

Verlässlicher scheinen aber die Benchmark-Tests, die Eurogamers Digital Foundry und DSOGaming durchgeführt haben. DSOGaming testete DMC5 mit einem Intel i7 4930K – ein mittlerweile in die Jahre gekommener ehemaliger High-End-Prozessor. Dabei traten erst einmal keine Performance-Abweichungen auf, weil Devil May Cry 5 den Prozessor nicht ausreichend belastete. Erst, als DSOGaming eine Dual-CPU simulierte, machte sich ein Unterschied bemerkbar: 6 bis 10 FPS gingen in diesem Fall durch Denuvo verloren, allerdings in einem hohen Framerate-Bereich.

Der Performance-Unterschied lag in einer Szene beispielsweise bei 123 zu 130 Bildern pro Sekunde, das sind 5 Prozentpunkte. Bei niedrigeren Framerates, wo FPS-Differenzen stärker ins Gewicht fallen, würde die durch Denuvo verlorengegangene Performance wohl nur bei wenigen Bildern pro Sekunde liegen.

Zu einem ähnlichen Schluss kommt auch Digital Foundry: Hier wurde mit einem Core i5 8400 getestet, ein für moderne Spiele geeigneter Mittelklasse-Prozessor. In einem ersten Testlauf trat ebenfalls keine Abweichung zwischen den beiden DMC5-Versionen auf. Anschließend setzte Digital Foundry die Auflösung auf 480p und die Grafikeinstellungen aufs Minimum, um die GPU als Flaschenhals auszuschließen. In einer Szene brachte es die Denuvo-Version dann auf 173 FPS, während es die versehentlich auf Steam veröffentlichte Fassung auf 186 FPS schaffte. Der Performance-Unterschied liegt demnach bei 7 Prozent.

Der Denuvo-Kopierschutz machte sich bei beiden Testsystemen also nur dann bemerkbar, wenn die CPU künstlich zum Flaschenhals hochgetrickst wurde – und selbst dann wirkte er sich nur geringfügig aus. Bei gängigen Gaming-Systemen dürfte die Denuvo-Implementierung in DMC5 keinen bemerkbaren Einfluss auf die Spiele-Performance haben. Lediglich Spieler mit sehr schwachem Prozessor könnten durch Denuvo in DMC5 einige FPS verlieren.

Die Tests belegen allerdings erneut, dass Denuvo – wenn auch in diesem Fall nur marginal – einen negativen Einfluss auf die Performance von Spielen hat. Bei Spielen, die die CPU stärker in Anspruch nehmen, könnte dieser Einfluss deutlich größer ausfallen.

Devil May Cry 5 angespielt (5 Bilder)

In Devil May Cry 5 können Spieler zwischen Teufelsjäger Dante, seinem Assistenten Nero und dem geheimnisvollen Dämonenbeschwörer V wählen.
(Bild: heise online)

Bisherige Benchmarks mit Spielen, die nach einiger Zeit von Denuvo befreit wurden, kamen zu einem ähnlichen Ergebnis. Das eingebettete Video von Overlord Gaming zeigt leichte Performance-Unterschiede unter anderem bei Mass Effect Andromeda und Sniper Ghost Warrior 3. Die in der Vergangenheit von Spielern gecrackter Versionen berichteten Performance-Verbesserungen von bis zu 40 Prozent ließen sich zumindest in dieser Höhe bisher aber nicht nachweisen. Immer wieder werden aber auch längere Ladezeiten als Nachteil von Denuvo genannt. Auch bei DMC5 fiel DSOGaming auf, dass die Denuvo-Version deutlich länger zum Laden benötigte.

Denuvo ist ein Anti-Tampering-System einer gleichnamigen Österreichischen Firma, die mittlerweile zum niederländischen Unternehmen Irdeto gehört. Cracker, die Spiele illegal kostenlos anbieten, hatten sich an Denuvo zuerst die Zähne ausgebissen. Mit Denuvo gesicherte Titel wurden teilweise erst nach Monaten gecrackt – damit war Denuvo deutlich sicherer als andere Kopierschutzmaßnahmen. Mittlerweile wird Denuvo bei neuen Titeln allerdings regelmäßig innerhalb weniger Tage ausgehebelt.

Viele Spieler fragen sich also, warum Entwickler immer noch auf Denuvo setzen – obwohl das System kaum noch zur Piraten-Abwehr genügt und obendrein die Performance beeinträchtigt. Spiele, die mit Denuvo abgesichert sind, bekommen häufig negative Nutzerreviews.

Devil May Cry 5 ist am 8. März für PC, Xbox One und PS4 erschienen. Das Fazit von heise online: "Devil May Cry 5 (ab 48,44 €) ist eine Bewährungsprobe für jedes Gamepad, die vor allem die Fans der Reihe ansprechen wird. Selbst beinharten DMC-Anhängern wird es aber missfallen, dass die Entwickler nur alte Ideen wieder aufbereiten und die Hauptfigur vor allem durch lineare, abwechslungsarme Level treiben."

Anmerkung: Angaben zum Intel i7 4930K und Crack-Status berichtigt. (dahe)